Ostern auf corollisch

Dieses Jahr ist Ostern etwas anders … Corolla-Corona-Corinna hat zugeschlagen. Mir geht es alles immer noch auf die Nerven mit den Ausgangsbeschränkungen, Hamstereinkäufen, etc., aber so langsam kann ich dem Ganzen ein klein wenig etwas Positives abgewinnen. Das wichtigste und beste für mich ist, dass ich bis jetzt ein Mal die Woche für einen Vormittag für mich sein kann und meist kleckserisch vieles raus lassen kann, was mir auf der Seele liegt.
Ein weiterer Vorteil ist Ostern … diesmal auf corollisch, bedeutet, dass die Familientreffen ausfallen. Dies stört mich überhaupt nicht, denn auf Familientreffen kann ich gut und gerne verzichten, sie sind nervig und langweilig. So habe ich vier Tage für mich, und hab genug Zeit mal nachzudenken, sei es über mich oder über anderes. Ich genieße es und das Wetter macht zum Glück mit.
In diesem Sinne: Frohe Ostern!

Vom Kunstbanause zur ‚Künstlerin‘?

Hätte man mich vor einem halben Jahr gefragt was ich von der Kunst halte, speziell der Malerei, hätte es wahrscheinlich erstmal ein Stottern gegeben und dann die Antwort, dass ich mit sowas nichts anfangen kann und für mich keinen Sinn ergibt und ich da überhaupt nichts sehe. Bis auf wenige Gebiete war die Kunst schon in der Schule nicht mein Ding. Lieben Dank an meinen Papa, der einige meiner Kunst-Hausaufgaben mit Bestnote für mich abgeschlossen hat.
Insgesamt kann man mich als Kunstbanause bezeichnen, dazu steh ich auch.

Das war damals …

Heute ist das anders. Am zweiten Tag diesen Jahres hatte ich mich seit langem mal wieder mit einem besonderen Freund getroffen, wir hatten uns zum Malen oder, wie er es nennt, zum Klecksen verabredet. Erstaunlicherweise war ich für meine Verhältnisse seiner Klecks-Kunst gegenüber sehr offen. Es gab für mich auch keinen Grund abgeneigt zu sollten, wir wollten schließlich zusammen klecksen und ich wollte mal was Neues kennen lernen. Eher zurückhaltend und nach und nach erzählte er mir wie er zur Kelckserei gekommen ist und was er mit manchen Dingen verbindet und wie er alles macht und wie manches entsteht. Es war für mich sehr interessant in seine Welt einzutauchen. Ich war damals über mich selber erstaunt, dass ich ihn verstand als er mir alles erzählte, obwohl ich mit Kunst nichts am Hut hatte, aber warum auch immer verstand ich ihn so gut, als wenn ich selber wäre. Der Anfang eines Bildes ist offen, das Ziel muss nicht sofort definiert sein, es kann auch erst mittendrin oder erst am Ende entstehen, man muss sich treiben lassen und mit der Zeit entwickelt es sich – sei es das Bild oder man selber.

Wir haben zusammen eine Maske bekleckst, in meiner Lieblingsfarbe … grün. Ich war erstaunt mit welch Leichtigkeit er anfing, fast wie eine kindliche Leichtigkeit … für mich damals beneidenswert. Ich bin ein Mensch, der über jeden Schritt nachdenkt und ihn zerdenkt und sich dann nicht traut oder eher zaghaft und (zu) zurückhaltend. Für mich war es toll, dass er mir – wie so oft – alles geduldig erklärt hat, wie er manches macht und was es für zahlreiche Möglichkeiten es gibt zu Klecksen bzw.  Farbe irgendwo rauf zu bringen. Dies war mein Einstieg in die Kunst.

Es folgten einige weitere Klecks-Treffen und nach und nach stellte sich ein gewisses Gefühl bei mir ein, ein Gefühl des inneren Friedens, der inneren Ruhe und der inneren Zufriedenheit. Lange … sehr lange habe ich nach diesem Gefühl ‚gesucht‘. Seit Jahren oder vllt. auch Jahrzehnten suche ich etwas für mich – wirklich nur für mich, etwas, was ich wirklich mal dauerhaft mache und durchziehe. In Sachen Hobbys habe ich nie irgendwas zu Ende gebracht, war immer auf der Sache nach dem ‚Richtigen‘ für mich, habe immer aufgehört und keine Ausdauer gehabt, es war eine dauerhafte Suche. Habe ich nun in der Kunst, mit der ich bis vor Kurzem überhaupt nichts anfangen konnte, wirklich etwas für mich gefunden? Wenn ich auf mein Inneres höre, ist die Antwort eindeutig ‚Ja‘. Das Klecksen ist etwas, was ich nicht aufgeben werde und unbedingt weiter machen möchten, es gibt mir sehr viel und ich habe wirklich etwas für mich – nur für mich – gefunden. Hier kann ich Ich sein und mich auslassen wie ich möchte, ohne, dass jemand sagt, dass das nicht geht oder ich das so nicht machen kann … doch ich kann alles was ich will und es geht alles, man muss es nur wollen und sich drauf ein lassen und sich nicht selber im Weg stehen. Anfangs war dies noch ein wenig problematisch für mich, aber ich sehe eine große Entwicklung bei mir. Bin nicht mehr so zurück haltend wie am Anfang, bin mutiger, schalte den Kopf ab und leg einfach los und schaffe es mal alles raus zu lassen, was in manchen Wochen passiert ist bzw. sich angestaut hat. Es ist ein sehr guter Ausgleich zur Realität. Gerade auch in der aktuellen Situation. Es ist ein so tolles erleichterndes glückliches – manchmal unbeschreibliches Gefühl – wenn man einen Schritt beendet hat. Ich liebe dieses Gefühl.

Ich persönlich seh mich nicht wirklich als Künstlerin. Ich stehe erst am Anfang dieser endlosen Reise und ich freue mich sehr auf sie. Es gibt noch so viel zu erlernen und so vieles was ich noch machen möchte. Ich habe gerade erst angefangen damit, da bin ich noch keine Künstlerin. Klar sehe ich, dass ich mich entwickeln kann, aber es gibt immer so vieles Neues zu entdecken und zu erlernen, ich denke man kann auch nicht sagen, dass man alles kann, es kommt immer wieder Neues hinzu auf dieser endlosen Reise. Und eigentlich ist es mir auch egal, ob Künstlerin oder nicht, es ist nur ein Wort, hauptsache ich tue etwas für mich und bin glücklich damit.

Ich bin sehr dankbar, dass er mir die Kunst gezeigt und näher gebracht hat, mir so viele verschieden Wege aufgezeigt hat und mich hat dran teilhaben lassen und es mir möglich gemacht hat, dass ich mich so oft kleckserisch austoben kann und mir mit Rat und Tat zur Seite steht. Danke lieber Ronald, endlich habe ich etwas für mich – nur für mich – gefunden.

Das ist die gemeinsam mit Lichtbildprophet bekleckste Maske, sie hängt nun über meinem Schreibtisch (M_0001)

Und da sind sie wieder …

… die lieben Zweifel, Emotions- und Gedankenquerschläger. Ich habe sie nicht vermisst und war froh mal etwas Ruhe vor ihnen zu haben. Ich denke es war diesmal eine etwas längere Pause vor ihnen und ich muss gestehen, dass ich sie nicht vermisst habe, es war schön … ich war glücklich. Doch nun sind sie wieder da … warum auch immer jetzt wieder so eine Phase ist … ich weiß es nicht … die letzten Tage waren emotional und gedanklich betrachtet turbulent und anstrengend … sei es Vergangenes, Aktuelles, Zukünftiges, Ignoranz von anderen, vielleicht das Vermissen von jemanden oder auch ein geduldiger ‚Kampf‘ … ich weiß es nicht, es ist von allem etwas, manches mehr und manches weniger.

Problem in solchen Situationen ist, dass die Gedanken und Emotionen mehr als nur Achterbahn spielen, sie drehen und ich kann nur ‚zusehen‘ und in der Zeit ist kaum ein klarer Gedanke zu fassen, was schwer mit dem normalen Leben vereinbar ist, in jeglicher Hinsicht.

Ein viel größeres Problem ist, dass ich fange an zu zerstören … zu zweifeln … ungehalten zu werden … alles und jeden zu vergraulen, auch diejenigen, die mir mehr als sehr am Herzen liegen … in Frage zu stellen … und zwar alles … auch die Dinge, die wirklich fix sind und schon etliche Male gesagt/bestätigt wurden … ich mag es nicht, aber manchmal (oder eigentlich sehr oft) ist es wie ein indirekter Zwang, dem ich hilflos ausgeliefert bin und mich nicht wehren kann und ich dann einfach nicht anders kann. Ich hasse diese zerstörerische Art … ich hasse es dann einem geliebten Menschen weh zu tun … ich hasse es alles anzuzweifeln … ich hasse es alles in Frage zu stellen … ich hasse mich dafür … ich hasse es, dass ich immer eine gewisse Bestätigung brauche, was manchmal das Einzige ist was hilft … was doof ist … es ist nicht immer jemand da oder gewillt das zu tun … ich hasse es am Ende vor den Scherben meiner Verzweiflungstaten zu stehen … ich hasse mich dafür … ich will das nicht mehr … es soll aufhören … für immer …