Wie lange ist es eigentlich her …

dass ich mit dem Lichtbildpropheten auf Knipstour war … viel zu lange meiner Meinung nach … es handelt sich hierbei schon um Jahre. Deshalb war die Freude umso größer als die Zeit es diese Woche erlaubt hat (und das Wetter auch) und wir uns zum Knipsen trafen. Unser Ziel war der jüdische Friedhof in Weißensee.
Vor einiger Zeit waren wir schon mal da, es sollte eigentlich auch eine Knipstour werden, ist dann aber ein schöner Spaziergang geworden. Auch hier hatte es mehrere Anläufe gebraucht endlich zum Friedhof zu gehen.
Zu dem Zeitpunkt damals war ich glaub ich nich nie auf einem jüdischen Friedhof.
Ich hatte keine Ahnung was mich erwartet, ich kannte ihn nur von Fotos und Erzählungen vom Lichtbildprohpheten. Ich war sehr  aufgeregt und gespannt und voller Erwartungen. Ich hatte bis dato seit neun Jahren jegliche Art von Friedhöfen erfolgreich gemieden und  dementsprechend war eine gewisse Anspannung da. Und ich ging mit dem Vorsatz rauf, ein paar Fotos machen zu wollen … vergaß aber meine relativ stark ausgeprägten Gefühle, die mich dann doch total übermannt hatten und mir einen Strich durch meine Rechnung machten.
Wir betraten damals den Friedhof und gingen zu den ersten Gräbern … und es war … unbeschreiblich schön … ich konnte es damals nicht und kann es heute auch nicht wirklich in Worte fassen … man muss es einfach gesehen haben … es ist wie eine andere Welt und überhaupt kein Vergleich zu den deutschen Friedhöfen. Der jüdische Friedhof ist so beeindruckend … überwältigend … faszinierend … auch magisch und mystisch würde ich sagen … um es kurz zusammenzufassen … mich hats schier umgehauen … und eigentlich total aus der Bahn geworfen … als wir die Wege langsam lang liefen, wurde mein Kloß im Hals im größer und es machte sich ein beklemmender Druck in der Magengegend bemerkbar und es war sehr zwiegespalten … auf der einen Seite war ich so überwältigt von der Schönheit dieses Ortes und auf der anderen Seite übermannte mich ein Schwall von Trauer … und alles paar Minuten trieb es mir die Tränen in die Augen … aus Trauer und wegen der überwältigenden Schönheit. Ich war damals sogar mehrere Male kurz davor den Friedhof zu verlassen (tat es aber nicht), weil es an Gefühlen zu viel war … mich haben sie mehr als nur übermannt … ich konnte damals keine einziges Foto machen und ich bin auch überhaupt nicht traurig darüber. Es war richtig und musste so sein. Ich musste diesen schönen Ort einfach so kennen lernen und das versuchen zu erfassen und es war schön diese Ruhe dort zu genießen und in einer anderen Welt zu sein.

Diese Woche war es endlich soweit und wir gingen wieder zum jüdischen Friedhof. Dieses Mal hatte ich mich mental schon die paar Tage vorher drauf vorbereitet. Mit zwei Kameras im Schlepptau ging es los. Das Wetter war ganz gut, etwas mehr Sonne wäre schön gewesen, aber man kann nicht alles haben. Ich tat meinen ersten Schritt auf den Friedhof und es ging mir gefühlsmäßig gut, ich wusste was mich erwartet und ich glaube ich war schon im Knipsmodus, weshalb insgesamt die Gefühle nur kurz aufflackerten und das Knipsen ganz gut ging. Aber es war wieder genauso überwältigend schön wie beim ersten Besuch und es war ein toller Tag. Es gibt so viel was man dort fotografisch einfangen kann und es noch zu entdecken gibt. Es wird noch sehr viele Besuchen geben denke ich. Danke an den Lichtbildproheten, dass er mir diesen wunderbaren Ort gezeigt hat.