027_2020

Nicht mehr da sein

Nr. F_0044

Was ist das Leben wert?
Was ist man selber wert?
Ist man selber überhaupt etwas wert … man wird doch eh nur als schlechter Mensch dargestellt.
Ist man vielleicht doch noch so viel wert, dass um einen getrauert werden würde nach dem Ableben oder gerät man einfach in Vergessenheit.
Wäre es ein Verlust einfach nicht mehr da zu sein?

022_2020

Davor werfen

Nr. F_0005

APX 100, Negativ gescannt

Und dann ist sie wieder da … die Angst … die Verzweiflung … oder das drückende Gefühl wenn man weiß, dass einem gleich der Boden unter den Füßen weg gezogen wird … das Gefühl, dass gleich alles schwarz um einem herum wird … tiefschwarz …

Und dann warst du auf einmal weg …

… und für mich ist eine Welt zusammengebrochen und hinterließ eine klaffende Wunde.

Wir haben uns zur Einschulung kennen gelernt, wir saßen ab dem ersten Schultag nebeneinander. Beide waren wir introvertiert und schüchtern und das hat uns ab dem ersten Tag verbunden und es entstand eine tolle Freundschaft, wir haben alles zusammen gemacht, es gab nichts, wo man uns nicht zusammen antreffen konnte, sei es in der Schule oder nach der Schule gewesen. Es hätte eine Freundschaft fürs Leben werden können, die nichts erschüttern kann. Wir waren einfach unzertrennlich, ein Herz und eine Seele, es hatte den Anschein, dass nichts dieses Glück zerstören konnte … doch es kam anders … eines morgens warst du nicht in der Schule. Es war ein Frühjahrstag in der 2. Klasse. In der ersten Pause hatte ich unsere Klassenlehrerin gefragt wo du bist. Sie nahm mich zur Seite und wir gingen auf den Flur. Sie sagte mir, dass du nicht kommen wirst, ich fragte, ob du am nächsten Tag wieder da sein wirst, auch diesmal sagte sie, dass du nicht kommen wirst. Ich war traurig, sehr traurig und die erste Träne kullerte schon. Nach einer kurzen Pause sagte unsere Klassenlehrerin mir, dass du nie wiederkommen wirst, da du mit deiner Mutter weggezogen bist. In diesem Moment ist eine Welt zusammengebrochen und ich habe Ozeane geweint. Ein Moment, den ich nie im Leben im vergessen werde und auch heute treibt es mir noch Tränen in die Augen, wenn ich daran denke. Ich kann mich an das danach kaum noch erinnern, ich habe jeden Tag geweint und jeden Erwachsenen gefragt, ob du vielleicht doch noch wiederkommst, doch es war vergebens, du kamst nicht wieder. Es hat mich Wochen … Monate sehr mitgenommen, du hast mir so gefehlt und es gab nichts, was mich aufmuntern konnte, ich war nur noch traurig und unglücklich, meine Welt lag einfach nur in Trümmern, die nicht wieder aufgebaut werden konnten. Irgendwann in der 3. Klasse ging es langsam besser, aber es verging kein Tag, wo ich nicht an dich gedacht und dich nicht vermisst habe und ich konnte nie wieder jemanden wie dich finden …

Einige Zeit später habe ich erfahren, dass unsere Klassenlehrerin es lange wusste, dass du fortgehen wirst und auch meine Eltern hatten es kurz vorher erfahren. Doch es hat es mir keiner gesagt, es hat keiner für nötig gehalten mir auch nur ein Sterbenswörtchen zu sagen. Auf der einen Seite weiß ich warum sie es nicht getan haben, ich hätte vorher schon Sturzbäche geweint, doch so hätte ich dir wenigstens noch Tschüss sagen können, auch wenn es sehr schmerzhaft gewesen und mehr wie traurig für mich gewesen wäre, aber es wäre eine Abschied, ein Abschluss gewesen. Aber so wie es gelaufen ist, war es noch traumatischer und schmerzhafter für mich. Ich weiß, dass es alle nur lieb und gut gemeint haben, aber das ist eine Sache, die ich nicht verzeihen kann, bis jetzt jedenfalls noch nicht … es hat mich nochmal zusätzlich dermaßen enttäuscht und traurig gemacht … ab diesem Punkt stand ich allen zukünftigen Freundschaften immer skeptisch gegenüber und tue es heute noch, aus Angst, dass es wieder passiert.

Wir konnten uns nie verabschieden … nie Lebewohl sagen … du warst einfach auf einmal weg, weshalb ich nie damit abschließen kann. Du hast eine Lücke in meinem Leben hinterlassen, die keiner wieder füllen kann … eine Wunde, die sich nie schließen wird … es macht mich heute noch sehr traurig …

Ich habe all die Jahre nach dir gesucht, doch nie habe ich dich gefunden … inzwischen glaube ich auch nicht mehr daran dich zu finden, auch wenn ein Fünkchen Hoffnung immer da sein wird.

Liebe Johanna … dieser Beitrag ist für dich und ich hoffe aus tiefstem Herzen, dass du am Leben bist und es dir gut geht.

Vom Kunstbanause zur ‚Künstlerin‘?

Hätte man mich vor einem halben Jahr gefragt was ich von der Kunst halte, speziell der Malerei, hätte es wahrscheinlich erstmal ein Stottern gegeben und dann die Antwort, dass ich mit sowas nichts anfangen kann und für mich keinen Sinn ergibt und ich da überhaupt nichts sehe. Bis auf wenige Gebiete war die Kunst schon in der Schule nicht mein Ding. Lieben Dank an meinen Papa, der einige meiner Kunst-Hausaufgaben mit Bestnote für mich abgeschlossen hat.
Insgesamt kann man mich als Kunstbanause bezeichnen, dazu steh ich auch.

Das war damals …

Heute ist das anders. Am zweiten Tag diesen Jahres hatte ich mich seit langem mal wieder mit einem besonderen Freund getroffen, wir hatten uns zum Malen oder, wie er es nennt, zum Klecksen verabredet. Erstaunlicherweise war ich für meine Verhältnisse seiner Klecks-Kunst gegenüber sehr offen. Es gab für mich auch keinen Grund abgeneigt zu sollten, wir wollten schließlich zusammen klecksen und ich wollte mal was Neues kennen lernen. Eher zurückhaltend und nach und nach erzählte er mir wie er zur Kelckserei gekommen ist und was er mit manchen Dingen verbindet und wie er alles macht und wie manches entsteht. Es war für mich sehr interessant in seine Welt einzutauchen. Ich war damals über mich selber erstaunt, dass ich ihn verstand als er mir alles erzählte, obwohl ich mit Kunst nichts am Hut hatte, aber warum auch immer verstand ich ihn so gut, als wenn ich selber wäre. Der Anfang eines Bildes ist offen, das Ziel muss nicht sofort definiert sein, es kann auch erst mittendrin oder erst am Ende entstehen, man muss sich treiben lassen und mit der Zeit entwickelt es sich – sei es das Bild oder man selber.

Wir haben zusammen eine Maske bekleckst, in meiner Lieblingsfarbe … grün. Ich war erstaunt mit welch Leichtigkeit er anfing, fast wie eine kindliche Leichtigkeit … für mich damals beneidenswert. Ich bin ein Mensch, der über jeden Schritt nachdenkt und ihn zerdenkt und sich dann nicht traut oder eher zaghaft und (zu) zurückhaltend. Für mich war es toll, dass er mir – wie so oft – alles geduldig erklärt hat, wie er manches macht und was es für zahlreiche Möglichkeiten es gibt zu Klecksen bzw.  Farbe irgendwo rauf zu bringen. Dies war mein Einstieg in die Kunst.

Es folgten einige weitere Klecks-Treffen und nach und nach stellte sich ein gewisses Gefühl bei mir ein, ein Gefühl des inneren Friedens, der inneren Ruhe und der inneren Zufriedenheit. Lange … sehr lange habe ich nach diesem Gefühl ‚gesucht‘. Seit Jahren oder vllt. auch Jahrzehnten suche ich etwas für mich – wirklich nur für mich, etwas, was ich wirklich mal dauerhaft mache und durchziehe. In Sachen Hobbys habe ich nie irgendwas zu Ende gebracht, war immer auf der Sache nach dem ‚Richtigen‘ für mich, habe immer aufgehört und keine Ausdauer gehabt, es war eine dauerhafte Suche. Habe ich nun in der Kunst, mit der ich bis vor Kurzem überhaupt nichts anfangen konnte, wirklich etwas für mich gefunden? Wenn ich auf mein Inneres höre, ist die Antwort eindeutig ‚Ja‘. Das Klecksen ist etwas, was ich nicht aufgeben werde und unbedingt weiter machen möchten, es gibt mir sehr viel und ich habe wirklich etwas für mich – nur für mich – gefunden. Hier kann ich Ich sein und mich auslassen wie ich möchte, ohne, dass jemand sagt, dass das nicht geht oder ich das so nicht machen kann … doch ich kann alles was ich will und es geht alles, man muss es nur wollen und sich drauf ein lassen und sich nicht selber im Weg stehen. Anfangs war dies noch ein wenig problematisch für mich, aber ich sehe eine große Entwicklung bei mir. Bin nicht mehr so zurück haltend wie am Anfang, bin mutiger, schalte den Kopf ab und leg einfach los und schaffe es mal alles raus zu lassen, was in manchen Wochen passiert ist bzw. sich angestaut hat. Es ist ein sehr guter Ausgleich zur Realität. Gerade auch in der aktuellen Situation. Es ist ein so tolles erleichterndes glückliches – manchmal unbeschreibliches Gefühl – wenn man einen Schritt beendet hat. Ich liebe dieses Gefühl.

Ich persönlich seh mich nicht wirklich als Künstlerin. Ich stehe erst am Anfang dieser endlosen Reise und ich freue mich sehr auf sie. Es gibt noch so viel zu erlernen und so vieles was ich noch machen möchte. Ich habe gerade erst angefangen damit, da bin ich noch keine Künstlerin. Klar sehe ich, dass ich mich entwickeln kann, aber es gibt immer so vieles Neues zu entdecken und zu erlernen, ich denke man kann auch nicht sagen, dass man alles kann, es kommt immer wieder Neues hinzu auf dieser endlosen Reise. Und eigentlich ist es mir auch egal, ob Künstlerin oder nicht, es ist nur ein Wort, hauptsache ich tue etwas für mich und bin glücklich damit.

Ich bin sehr dankbar, dass er mir die Kunst gezeigt und näher gebracht hat, mir so viele verschieden Wege aufgezeigt hat und mich hat dran teilhaben lassen und es mir möglich gemacht hat, dass ich mich so oft kleckserisch austoben kann und mir mit Rat und Tat zur Seite steht. Danke lieber Ronald, endlich habe ich etwas für mich – nur für mich – gefunden.

Das ist die gemeinsam mit Lichtbildprophet bekleckste Maske, sie hängt nun über meinem Schreibtisch (M_0001)

Und da sind sie wieder …

… die lieben Zweifel, Emotions- und Gedankenquerschläger. Ich habe sie nicht vermisst und war froh mal etwas Ruhe vor ihnen zu haben. Ich denke es war diesmal eine etwas längere Pause vor ihnen und ich muss gestehen, dass ich sie nicht vermisst habe, es war schön … ich war glücklich. Doch nun sind sie wieder da … warum auch immer jetzt wieder so eine Phase ist … ich weiß es nicht … die letzten Tage waren emotional und gedanklich betrachtet turbulent und anstrengend … sei es Vergangenes, Aktuelles, Zukünftiges, Ignoranz von anderen, vielleicht das Vermissen von jemanden oder auch ein geduldiger ‚Kampf‘ … ich weiß es nicht, es ist von allem etwas, manches mehr und manches weniger.

Problem in solchen Situationen ist, dass die Gedanken und Emotionen mehr als nur Achterbahn spielen, sie drehen und ich kann nur ‚zusehen‘ und in der Zeit ist kaum ein klarer Gedanke zu fassen, was schwer mit dem normalen Leben vereinbar ist, in jeglicher Hinsicht.

Ein viel größeres Problem ist, dass ich fange an zu zerstören … zu zweifeln … ungehalten zu werden … alles und jeden zu vergraulen, auch diejenigen, die mir mehr als sehr am Herzen liegen … in Frage zu stellen … und zwar alles … auch die Dinge, die wirklich fix sind und schon etliche Male gesagt/bestätigt wurden … ich mag es nicht, aber manchmal (oder eigentlich sehr oft) ist es wie ein indirekter Zwang, dem ich hilflos ausgeliefert bin und mich nicht wehren kann und ich dann einfach nicht anders kann. Ich hasse diese zerstörerische Art … ich hasse es dann einem geliebten Menschen weh zu tun … ich hasse es alles anzuzweifeln … ich hasse es alles in Frage zu stellen … ich hasse mich dafür … ich hasse es, dass ich immer eine gewisse Bestätigung brauche, was manchmal das Einzige ist was hilft … was doof ist … es ist nicht immer jemand da oder gewillt das zu tun … ich hasse es am Ende vor den Scherben meiner Verzweiflungstaten zu stehen … ich hasse mich dafür … ich will das nicht mehr … es soll aufhören … für immer …