Vorbei

Nun ist Weihnachten vorbei … dieses Jahr ist alles anderes gewesen, was nicht nur mit Corona zu tun hatte … ob besser oder schlechter kann ich nicht sagen, mal so, mal so denke ich … Betrachtungssache.

Heiligabend verließ ich kurz nach halb sieben das Haus, es ist dunkel, nieselig und kaum ein Mensch unterwegs, eine rechte Weihnachtsstimmung kommt  nicht bei mir auf … wie jedes Jahr. Ich mag es sehr, früh morgens allein unterwegs zu sein, die Ruhe zu genießen bevor ein trubeliger Tag beginnt. Es ist insgesamt eine teils gedämpfte Stimmung spürbar, was angenehm war. Abends wurde der erste Teil der Familie abgearbeitet … erstaunlicherweise lief mal alles friedlich ab.

Am ersten Feiertag, ist erstmal ausschlafen angesagt, naja oder einfach liegen bleiben und mal die Seele baumeln lassen und den Gedanken im Kopf mal etwas Ruhe und Raum  geben. Sie haben eine sehr schwierige Aufgabe zu lösen.
Abends beim zweiten Teil der Familie kommt man zur Ruhe und wird nachdenklich. Eine meiner mir liebsten Personen konnte ich leider nicht sehen … das war sehr traurig für mich und ich habe sie schmerzlichst vermisst, dies ging mir schon am Tag davor so und auch am nächsten Tag und eigentlich vermisse ich sie immer.

Am zweiten Feiertag war die Schwiegerfamilie dran … sechs Stunden  Kinder bespaßen und drei Lehrkräften beim Schnattern zu hören … puhh … da ist man fertig hinterher … vor allem wenn der Große so ein Raufbold ist und immer nur rum schreien kann. Ich liebe Kinder, aber es ist schön, dass man dann iwann auch wieder geht. Klar mit den eigenen Kindern wäre es was anderes.
Die Essenplanung mit der Schwiegerfamilie fing schon Wochen vorher an. Ich hatte drei Ideen und alle kamen sehr gut an … also hatte ich drei Vorschläge als Wünsche geäußert, was es zu den drei unterschiedlichen Zeitpunkten zu Essen geben kann und die waren eigentlich auch fix, weil alle zufrieden waren damit … kurz vor Weihnachten fragte ich mal nach, denn es wurde die ganze Zeit geschwiegen zu dem Thema … der Plan wurde komplett übern Haufen geworfen … aber was erwarte ich auch … ist halt die Schwiegerfamilie … da gehört man einfach nicht wirklich dazu, dass merkt man immer wieder, egal bei was … auch bei Unterhaltungen kommt man einfach nicht zu Wort und wenn doch wird einem nicht zugehört oder ins Wort gefallen … darauf hab ich keinen Bock und sitze dann lieber schweigend da … was soll ich auch erzählen … interessiert ja eh keinen …

Mein Fazit für dieses Jahr Weihnachten … drei Tage nur asiatisches Abendessen ist öde auf Dauer, aber was tut man nicht alles für den Familienfrieden. Ich bin und werde ein grinchgrüner Weihnachtsmuffel bleiben und du hast mir sehr gefehlt.

Einfach mal richtig anschauen …

Nun ist wieder Lockdown … es war auch nicht anders zu erwarten und nur eine Frage der Zeit. Aber ich möchte mich nicht über den Lockdown auslassen oder gar Politik … nein das ist nicht mein Thema … ich mag Politik nicht, das ist mir zu anstrengend und ich bin gleich auf Warp-Geschwindigkeit.
Eine Feststellung, die ich für mich selber schon lange gemacht habe und es eine Sache ist, die ich vermisse. Durch die Tragerie der Masken schaut man sich mal wieder in die Augen. Und ich meine richtig in die Augen, nicht nur einmal flüchtig über die Augen huschen, sondern mal kurz hinter die Oberfläche geblickt. Es ist zwar auch nicht viel und immer noch sehr oberflächlich und ich bekomme es nur bei wenigen mit, die das bewusst wieder machen. Aber es freut mich, dass wenigsten ein paar ganz wenige Menschen das merken bzw. mal ein Mü hinter die Oberfläche schauen. Es ist besser als nichts.
Letztens sagte ein Kollege zu mir, dass er festgestellt hat, dass er seinen Mitmenschen wegen die Maske etwas länger in die Augen schaut und erstaunt ist wie viel die Augen sagen. Es war ein Moment in dem ich den größten Engels-Chor hab singen hören. War ich überrascht und fast sprachlos. Wir diskutierten noch friedlich eine Weile weiter, ich sagte ihm meine Meinung diesbezüglich über die Menschen. Warum auch immer war er erstaunt von mir, dass manche Worte aus meinem Mund kamen, obwohl ich in seinen Augen noch so jung bin (er ist mehr als doppelt so alt wie ich).
Für unsere Gesellschaft sehe ich wenig Hoffnung. Jeder denkt nur an sich und die anderen sind egal, manchmal selbst im engsten Kreis. Dabei ist es nicht schwer jemanden mal länger und tiefer in die Augen zu schauen. Man muss es nur wollen und sich auch drauf einlassen, was in dem heutzutage angesagten Egoismus schwer ist. Ich finde es schade, sagen die Augen doch manchmal mehr als der Mund und geben so viel Preis, manchmal mehr als einem lieb ist. Ich schaue meinen Mitmenschen sehr gerne in die Augen, achte auf jeden Muskel der sich drum herum bewegt und jede Falte die entsteht oder geht. Ich beobachte Menschen sehr gerne, lernt man so vieles über sie und letztlich sind wir doch alle wieder gleich. Ich werde weiterhin jemanden tief in die Augen schauen, schauen wie es ihm wirklich geht oder was in ihm vor geht.

Abschied

Heute muss ich Abschied nehmen. Es ist zum Glück kein Abschied für immer … diese Abschiede finde ich grausam. Nein, wir werden uns wieder sehen und darauf freue ich mich schon. Trotzdem bin ich traurig, warst du ein Halt für mich auf Arbeit, einer der wenigen, die ich habe. Ich kann es mehr als gut nachvollziehen warum du diesen Schritt gehst, geht es mir oft doch genau wie dir. Sechs Jahre kennen wir uns und waren wir für einander da und haben uns gegenseitig zugehört, einander geholfen und Mut zugesprochen. Das wird mir alles sehr fehlen. Nun jedoch brauchst du noch mehr Mut als vorher, denn erstmal wird es schwer für dich, aber du wirst das schaffen. Wenn es jemand schafft, dann du. Wir beide wissen, dass es für dich die richtige Entscheidung war, aus mehreren Gründen, teils sind es auch meine Gründe, ich muss jedoch am Mut arbeiten und einige anderen Dingen.
Ich werde dich vermissen, deine fröhliche und positive Art und deine offene Art an neue Dinge heranzutreten, deine Ehrlichkeit, unsere gemeinsamen lustigen Momente, unsere Mittagessen und vieles vieles mehr.
Ich bin dir sehr dankbar für alles und wünsche dir alles Liebe und Gute und freue mich jetzt schon auf unser Wiedersehen und was du zu erzählen hast. Und ich hoffe, dass dieser neue Weg dich glücklich machen wird und erfüllender sein wird.
Machs gut, wir sehen uns!

Du gehörst zu den wenigen, die mich verstanden haben als ich mit dem Klecksen angefangen hatte. Dies ist dein Abschiedsgeschenk, obwohl ich es eher als Glücksbringer für deinen Neustart sehe:

Neustart

Drei Jahre

Vor drei Jahren hat dein Herz aufgehört zu schlagen und hat dich von deinem Leid und deinen Schmerzen erlöst.
Es kommt mir manchmal vor als wäre es erst gestern gewesen und manchmal als wäre es schön länger her. Es war für dich das Beste, dass wissen alle … aber trotzdem hättest du noch für immer bei uns bleiben können. Du hast bei uns allen eine sehr große klaffende Lücke hinterlassen und wir vermissen dich so sehr.
Ich werde nie das Strahlen in deinen Augen vergessen als ich deinen Ehering gefunden hatte und ihn dir gegeben hatte, nachdem du ihn verloren hattest und nicht mehr finden konntest. Ich hatte so gehofft, dass ich ihn finden würde.
Es ist so schade, dass du so viele Dinge nicht mehr miterleben konntest und nicht miterleben wirst. Doch in unseren Herzen wirst du weiterleben und immer dabei sein. Wir vermissen dich so sehr …. warum bist du nicht mehr da … warum musstest du gehen und warum auch so früh … .
Ruhe weiterhin in Frieden.

027_2020

Nicht mehr da sein

Nr. F_0044

Was ist das Leben wert?
Was ist man selber wert?
Ist man selber überhaupt etwas wert … man wird doch eh nur als schlechter Mensch dargestellt.
Ist man vielleicht doch noch so viel wert, dass um einen getrauert werden würde nach dem Ableben oder gerät man einfach in Vergessenheit.
Wäre es ein Verlust einfach nicht mehr da zu sein?

Und dann warst du auf einmal weg …

… und für mich ist eine Welt zusammengebrochen und hinterließ eine klaffende Wunde.

Wir haben uns zur Einschulung kennen gelernt, wir saßen ab dem ersten Schultag nebeneinander. Beide waren wir introvertiert und schüchtern und das hat uns ab dem ersten Tag verbunden und es entstand eine tolle Freundschaft, wir haben alles zusammen gemacht, es gab nichts, wo man uns nicht zusammen antreffen konnte, sei es in der Schule oder nach der Schule gewesen. Es hätte eine Freundschaft fürs Leben werden können, die nichts erschüttern kann. Wir waren einfach unzertrennlich, ein Herz und eine Seele, es hatte den Anschein, dass nichts dieses Glück zerstören konnte … doch es kam anders … eines morgens warst du nicht in der Schule. Es war ein Frühjahrstag in der 2. Klasse. In der ersten Pause hatte ich unsere Klassenlehrerin gefragt wo du bist. Sie nahm mich zur Seite und wir gingen auf den Flur. Sie sagte mir, dass du nicht kommen wirst, ich fragte, ob du am nächsten Tag wieder da sein wirst, auch diesmal sagte sie, dass du nicht kommen wirst. Ich war traurig, sehr traurig und die erste Träne kullerte schon. Nach einer kurzen Pause sagte unsere Klassenlehrerin mir, dass du nie wiederkommen wirst, da du mit deiner Mutter weggezogen bist. In diesem Moment ist eine Welt zusammengebrochen und ich habe Ozeane geweint. Ein Moment, den ich nie im Leben im vergessen werde und auch heute treibt es mir noch Tränen in die Augen, wenn ich daran denke. Ich kann mich an das danach kaum noch erinnern, ich habe jeden Tag geweint und jeden Erwachsenen gefragt, ob du vielleicht doch noch wiederkommst, doch es war vergebens, du kamst nicht wieder. Es hat mich Wochen … Monate sehr mitgenommen, du hast mir so gefehlt und es gab nichts, was mich aufmuntern konnte, ich war nur noch traurig und unglücklich, meine Welt lag einfach nur in Trümmern, die nicht wieder aufgebaut werden konnten. Irgendwann in der 3. Klasse ging es langsam besser, aber es verging kein Tag, wo ich nicht an dich gedacht und dich nicht vermisst habe und ich konnte nie wieder jemanden wie dich finden …

Einige Zeit später habe ich erfahren, dass unsere Klassenlehrerin es lange wusste, dass du fortgehen wirst und auch meine Eltern hatten es kurz vorher erfahren. Doch es hat es mir keiner gesagt, es hat keiner für nötig gehalten mir auch nur ein Sterbenswörtchen zu sagen. Auf der einen Seite weiß ich warum sie es nicht getan haben, ich hätte vorher schon Sturzbäche geweint, doch so hätte ich dir wenigstens noch Tschüss sagen können, auch wenn es sehr schmerzhaft gewesen und mehr wie traurig für mich gewesen wäre, aber es wäre eine Abschied, ein Abschluss gewesen. Aber so wie es gelaufen ist, war es noch traumatischer und schmerzhafter für mich. Ich weiß, dass es alle nur lieb und gut gemeint haben, aber das ist eine Sache, die ich nicht verzeihen kann, bis jetzt jedenfalls noch nicht … es hat mich nochmal zusätzlich dermaßen enttäuscht und traurig gemacht … ab diesem Punkt stand ich allen zukünftigen Freundschaften immer skeptisch gegenüber und tue es heute noch, aus Angst, dass es wieder passiert.

Wir konnten uns nie verabschieden … nie Lebewohl sagen … du warst einfach auf einmal weg, weshalb ich nie damit abschließen kann. Du hast eine Lücke in meinem Leben hinterlassen, die keiner wieder füllen kann … eine Wunde, die sich nie schließen wird … es macht mich heute noch sehr traurig …

Ich habe all die Jahre nach dir gesucht, doch nie habe ich dich gefunden … inzwischen glaube ich auch nicht mehr daran dich zu finden, auch wenn ein Fünkchen Hoffnung immer da sein wird.

Liebe Johanna … dieser Beitrag ist für dich und ich hoffe aus tiefstem Herzen, dass du am Leben bist und es dir gut geht.