Eingeschlafen

Es ist eine Woche her, da bist du einfach friedlich eingeschlafen. Bist einfach von uns gegangen ohne ein Wort zu sagen. Ich hatte dich gefunden und noch versucht zu wecken, doch es hatte keinen Zweck mehr, du warst schon Stunden zuvor in deinen letzten Tiefschlaf versunken. Dich dort sitzen zu sehen, ein Bild, was nicht mehr aus meinem Kopf geht, es verfolgt mich und erwischt mich kalt in jeder nur möglichen Situation.

Wir hatten unsere Differenzen, doch ich hatte und habe dich immer lieb gehabt. Und irgendwie weiß ich auch, dass du das auch gemacht hast, egal wie du zu mir warst. Du warst halt so wie du warst. Wir hätten es beide aber ruhig mal aussprechen könen, da nehme ich mich nicht aus. In meiner Kindheit haben wir jeden Mist gemacht, jeder Spaß war unser, das ear einfach klasse. Auf dich konnte ich mich verlassen. Nur der Alkohol, den hättest du dir sparen können. Aber du hattest mir nie etwas angetan und ich hatte auch nie Angst deswegen, denn es war für mich damals Normalität, ich kannte es nicht anders.

Kurz vor deinem Tiefschlaf haben wir uns das letzten Mal gesehen. Wir beide hätten netter zueinander sein können. Nun bereue ich es, dass ich es nicht war. Denn nun sind wir auseinander gegangen und waren nicht gut aufeinander zu sprechen, das macht mich wahnsinnig traurig. Aber noch viel trauriger macht es mich, dass du einfach nicht mehr da bist … auch so plötzlich … einfach weg. Ich kann es eigentlich noch gar nicht glauben.

Für dich ist es teils eine Erlösung. Du musstest nicht leiden, nicht ins Heim oder ins Krankenhaus, wo wir dich nicht hätten besuchen können. Ich weiß deine letzten Lebensjahre waren nicht die besten … du warst alleine und unglücklich. Deinem größten Problem, deiner Fast-Blindheit, konntest du trotzen und hast dich nicht unter kriegen lassen, ich habe dich immer bewundert, egal wie oft die Küche wie ein Schlachtfeld aussah. Doch trotzdem hättest du dir noch Zeit lassen können.

Manchmal mache ich mir Vorwürfe, dass ich nicht genug für dich da war oder mich zu wenig um dich gekümmert habe und vieles mehr. Ich werde das Gefühl nicht los dich im Stich gelassen zu haben und nur an mich gedacht zu haben. Auch wenn ich weiß, dass es nicht so ist, bleibt das Gefühl trotzdem da. Verzeih mir bitte.

Lebe wohl und ruhe in Frieden und grüß und drück deine Frau lieb von mir.

Abschied

Heute muss ich Abschied nehmen. Es ist zum Glück kein Abschied für immer … diese Abschiede finde ich grausam. Nein, wir werden uns wieder sehen und darauf freue ich mich schon. Trotzdem bin ich traurig, warst du ein Halt für mich auf Arbeit, einer der wenigen, die ich habe. Ich kann es mehr als gut nachvollziehen warum du diesen Schritt gehst, geht es mir oft doch genau wie dir. Sechs Jahre kennen wir uns und waren wir für einander da und haben uns gegenseitig zugehört, einander geholfen und Mut zugesprochen. Das wird mir alles sehr fehlen. Nun jedoch brauchst du noch mehr Mut als vorher, denn erstmal wird es schwer für dich, aber du wirst das schaffen. Wenn es jemand schafft, dann du. Wir beide wissen, dass es für dich die richtige Entscheidung war, aus mehreren Gründen, teils sind es auch meine Gründe, ich muss jedoch am Mut arbeiten und einige anderen Dingen.
Ich werde dich vermissen, deine fröhliche und positive Art und deine offene Art an neue Dinge heranzutreten, deine Ehrlichkeit, unsere gemeinsamen lustigen Momente, unsere Mittagessen und vieles vieles mehr.
Ich bin dir sehr dankbar für alles und wünsche dir alles Liebe und Gute und freue mich jetzt schon auf unser Wiedersehen und was du zu erzählen hast. Und ich hoffe, dass dieser neue Weg dich glücklich machen wird und erfüllender sein wird.
Machs gut, wir sehen uns!

Du gehörst zu den wenigen, die mich verstanden haben als ich mit dem Klecksen angefangen hatte. Dies ist dein Abschiedsgeschenk, obwohl ich es eher als Glücksbringer für deinen Neustart sehe:

Neustart

Drei Jahre

Vor drei Jahren hat dein Herz aufgehört zu schlagen und hat dich von deinem Leid und deinen Schmerzen erlöst.
Es kommt mir manchmal vor als wäre es erst gestern gewesen und manchmal als wäre es schön länger her. Es war für dich das Beste, dass wissen alle … aber trotzdem hättest du noch für immer bei uns bleiben können. Du hast bei uns allen eine sehr große klaffende Lücke hinterlassen und wir vermissen dich so sehr.
Ich werde nie das Strahlen in deinen Augen vergessen als ich deinen Ehering gefunden hatte und ihn dir gegeben hatte, nachdem du ihn verloren hattest und nicht mehr finden konntest. Ich hatte so gehofft, dass ich ihn finden würde.
Es ist so schade, dass du so viele Dinge nicht mehr miterleben konntest und nicht miterleben wirst. Doch in unseren Herzen wirst du weiterleben und immer dabei sein. Wir vermissen dich so sehr …. warum bist du nicht mehr da … warum musstest du gehen und warum auch so früh … .
Ruhe weiterhin in Frieden.

027_2020

Nicht mehr da sein

Nr. F_0044

Was ist das Leben wert?
Was ist man selber wert?
Ist man selber überhaupt etwas wert … man wird doch eh nur als schlechter Mensch dargestellt.
Ist man vielleicht doch noch so viel wert, dass um einen getrauert werden würde nach dem Ableben oder gerät man einfach in Vergessenheit.
Wäre es ein Verlust einfach nicht mehr da zu sein?

024_2020

Der tiefe tiefe Fall

Nr. F_0006

APX 100, Negativ gescannt

Wenn man denkst, dass Wochenende nicht schlimmer werden kann … Freitagnachmittag nahm es keinen guten Start … Samstagmorgen aufgewacht … es fühlt sich an, als wenn man in einem tiefen depressiven Loch sitzt … warum auch immer … keine Ahnung … der Tag wird von Minute zu Minute schlimmer … doch dann der Sonntagmorgen … man dachte noch tiefer kann man in dem Loch nicht rutschen, aber man wird eines besseren belehrt und befindet sich im tiefen freien Fall ins … keine Ahnung wohin … ins Nichts … die Leere … warum ist das Leben so grausam … lohnt sich das Leben überhaupt zu leben … wenn es nun ein Ende hätte, dann muss man das Grausame wenigstens nicht mehr ertragen …

Und dann warst du auf einmal weg …

… und für mich ist eine Welt zusammengebrochen und hinterließ eine klaffende Wunde.

Wir haben uns zur Einschulung kennen gelernt, wir saßen ab dem ersten Schultag nebeneinander. Beide waren wir introvertiert und schüchtern und das hat uns ab dem ersten Tag verbunden und es entstand eine tolle Freundschaft, wir haben alles zusammen gemacht, es gab nichts, wo man uns nicht zusammen antreffen konnte, sei es in der Schule oder nach der Schule gewesen. Es hätte eine Freundschaft fürs Leben werden können, die nichts erschüttern kann. Wir waren einfach unzertrennlich, ein Herz und eine Seele, es hatte den Anschein, dass nichts dieses Glück zerstören konnte … doch es kam anders … eines morgens warst du nicht in der Schule. Es war ein Frühjahrstag in der 2. Klasse. In der ersten Pause hatte ich unsere Klassenlehrerin gefragt wo du bist. Sie nahm mich zur Seite und wir gingen auf den Flur. Sie sagte mir, dass du nicht kommen wirst, ich fragte, ob du am nächsten Tag wieder da sein wirst, auch diesmal sagte sie, dass du nicht kommen wirst. Ich war traurig, sehr traurig und die erste Träne kullerte schon. Nach einer kurzen Pause sagte unsere Klassenlehrerin mir, dass du nie wiederkommen wirst, da du mit deiner Mutter weggezogen bist. In diesem Moment ist eine Welt zusammengebrochen und ich habe Ozeane geweint. Ein Moment, den ich nie im Leben im vergessen werde und auch heute treibt es mir noch Tränen in die Augen, wenn ich daran denke. Ich kann mich an das danach kaum noch erinnern, ich habe jeden Tag geweint und jeden Erwachsenen gefragt, ob du vielleicht doch noch wiederkommst, doch es war vergebens, du kamst nicht wieder. Es hat mich Wochen … Monate sehr mitgenommen, du hast mir so gefehlt und es gab nichts, was mich aufmuntern konnte, ich war nur noch traurig und unglücklich, meine Welt lag einfach nur in Trümmern, die nicht wieder aufgebaut werden konnten. Irgendwann in der 3. Klasse ging es langsam besser, aber es verging kein Tag, wo ich nicht an dich gedacht und dich nicht vermisst habe und ich konnte nie wieder jemanden wie dich finden …

Einige Zeit später habe ich erfahren, dass unsere Klassenlehrerin es lange wusste, dass du fortgehen wirst und auch meine Eltern hatten es kurz vorher erfahren. Doch es hat es mir keiner gesagt, es hat keiner für nötig gehalten mir auch nur ein Sterbenswörtchen zu sagen. Auf der einen Seite weiß ich warum sie es nicht getan haben, ich hätte vorher schon Sturzbäche geweint, doch so hätte ich dir wenigstens noch Tschüss sagen können, auch wenn es sehr schmerzhaft gewesen und mehr wie traurig für mich gewesen wäre, aber es wäre eine Abschied, ein Abschluss gewesen. Aber so wie es gelaufen ist, war es noch traumatischer und schmerzhafter für mich. Ich weiß, dass es alle nur lieb und gut gemeint haben, aber das ist eine Sache, die ich nicht verzeihen kann, bis jetzt jedenfalls noch nicht … es hat mich nochmal zusätzlich dermaßen enttäuscht und traurig gemacht … ab diesem Punkt stand ich allen zukünftigen Freundschaften immer skeptisch gegenüber und tue es heute noch, aus Angst, dass es wieder passiert.

Wir konnten uns nie verabschieden … nie Lebewohl sagen … du warst einfach auf einmal weg, weshalb ich nie damit abschließen kann. Du hast eine Lücke in meinem Leben hinterlassen, die keiner wieder füllen kann … eine Wunde, die sich nie schließen wird … es macht mich heute noch sehr traurig …

Ich habe all die Jahre nach dir gesucht, doch nie habe ich dich gefunden … inzwischen glaube ich auch nicht mehr daran dich zu finden, auch wenn ein Fünkchen Hoffnung immer da sein wird.

Liebe Johanna … dieser Beitrag ist für dich und ich hoffe aus tiefstem Herzen, dass du am Leben bist und es dir gut geht.