Abschied

Heute muss ich Abschied nehmen. Es ist zum Glück kein Abschied für immer … diese Abschiede finde ich grausam. Nein, wir werden uns wieder sehen und darauf freue ich mich schon. Trotzdem bin ich traurig, warst du ein Halt für mich auf Arbeit, einer der wenigen, die ich habe. Ich kann es mehr als gut nachvollziehen warum du diesen Schritt gehst, geht es mir oft doch genau wie dir. Sechs Jahre kennen wir uns und waren wir für einander da und haben uns gegenseitig zugehört, einander geholfen und Mut zugesprochen. Das wird mir alles sehr fehlen. Nun jedoch brauchst du noch mehr Mut als vorher, denn erstmal wird es schwer für dich, aber du wirst das schaffen. Wenn es jemand schafft, dann du. Wir beide wissen, dass es für dich die richtige Entscheidung war, aus mehreren Gründen, teils sind es auch meine Gründe, ich muss jedoch am Mut arbeiten und einige anderen Dingen.
Ich werde dich vermissen, deine fröhliche und positive Art und deine offene Art an neue Dinge heranzutreten, deine Ehrlichkeit, unsere gemeinsamen lustigen Momente, unsere Mittagessen und vieles vieles mehr.
Ich bin dir sehr dankbar für alles und wünsche dir alles Liebe und Gute und freue mich jetzt schon auf unser Wiedersehen und was du zu erzählen hast. Und ich hoffe, dass dieser neue Weg dich glücklich machen wird und erfüllender sein wird.
Machs gut, wir sehen uns!

Du gehörst zu den wenigen, die mich verstanden haben als ich mit dem Klecksen angefangen hatte. Dies ist dein Abschiedsgeschenk, obwohl ich es eher als Glücksbringer für deinen Neustart sehe:

Neustart

Ein großer Fehler

Eine Nacht später, kein Auge zugemacht, tausend und mehr Gedanken gedacht, etliche Erkenntnisse gehabt und mein schlechtes Gewissen wird von Minute zu Minute größer und ich könnte mich nur selber hassen und ohrfeigen und mehr.
Ich habe einen großen Fehler begangen … wahrscheinlich sogar den größten Fehler meines Lebens … und nun stehe ich vor meinem Trümmerhaufen und bin selbst dran Schuld. Es hätte anders laufen können, wäre ich nicht so töricht gewesen und hätte auch mal an dich und deine Gefühle gedacht. Dich gefragt wie es dir dabei geht, was du dazu denkst … doch es ist zu spät, auch wenn ich es ferne rückgängig machen würde. Ich war nur auf mein Wohl bedacht und wollte an uns fest halten und habe dir, obwohl ich dich sehr liebe, einfach nur weh getan damit, das ist unverzeihlich. Ich habe deine Signale warum auch immer ignoriert und die Enscheidung wurde von dir getroffen, weil ich es nicht konnte. Ich bin in der Hinsicht froh, dass du sie gefällt hast, denn damit musst du nicht mehr leiden und kannst zur Ruhe kommen. Doch für dich hätte das schon eher passieren müssen, denn so hast du einfach nur noch mehr Schmerzen erleiden müssen und das tut mir unendlich Leid, denn das hast du einfach nicht verdient.
Vereinbarungen, Kompromisse oder was auch immer das war, waren nie das was sie eigentlich hätten sein sollen und haben alles nur hinaus gezögert … wegen mir, weil ich nicht los lassen konnte und du mich nicht leiden sehen konntest. Die vielen Worte, die ausgetauscht wurden, sind zwar alle schön und nett zu lesen gewesen, doch lösen sie das eigentliche Problem nicht bzw. haben sie das Problem nicht gelöst, sie haben alles nur mit einem leichten Schleier verdeckt und das wars und die Hangelei von Woche zu Woche ging weiter. Es hätten Taten kommen müssen von mir, es hätte etwas Konstruktives sein müssen, ich hätte mehr auf dich Acht geben müssen, denn Liebe ist einfach keine Lösung für alles. Ich hätte dich schon eher gehen lassen müssen … einfach damit es dir gut geht.

Ich habe der Realität nur zum kleinen Teil ins Auge geblickt, was einfach nur dumm und naiv war. Doch jetzt ist es leider zu spät und ich habe dich für immer verloren … davor hatte ich u.a. am meisten Angst.

Und letztlich sind das hier auch nur Worte … und kein konstruktiver Vorschlag …

Und dann warst du auf einmal weg …

… und für mich ist eine Welt zusammengebrochen und hinterließ eine klaffende Wunde.

Wir haben uns zur Einschulung kennen gelernt, wir saßen ab dem ersten Schultag nebeneinander. Beide waren wir introvertiert und schüchtern und das hat uns ab dem ersten Tag verbunden und es entstand eine tolle Freundschaft, wir haben alles zusammen gemacht, es gab nichts, wo man uns nicht zusammen antreffen konnte, sei es in der Schule oder nach der Schule gewesen. Es hätte eine Freundschaft fürs Leben werden können, die nichts erschüttern kann. Wir waren einfach unzertrennlich, ein Herz und eine Seele, es hatte den Anschein, dass nichts dieses Glück zerstören konnte … doch es kam anders … eines morgens warst du nicht in der Schule. Es war ein Frühjahrstag in der 2. Klasse. In der ersten Pause hatte ich unsere Klassenlehrerin gefragt wo du bist. Sie nahm mich zur Seite und wir gingen auf den Flur. Sie sagte mir, dass du nicht kommen wirst, ich fragte, ob du am nächsten Tag wieder da sein wirst, auch diesmal sagte sie, dass du nicht kommen wirst. Ich war traurig, sehr traurig und die erste Träne kullerte schon. Nach einer kurzen Pause sagte unsere Klassenlehrerin mir, dass du nie wiederkommen wirst, da du mit deiner Mutter weggezogen bist. In diesem Moment ist eine Welt zusammengebrochen und ich habe Ozeane geweint. Ein Moment, den ich nie im Leben im vergessen werde und auch heute treibt es mir noch Tränen in die Augen, wenn ich daran denke. Ich kann mich an das danach kaum noch erinnern, ich habe jeden Tag geweint und jeden Erwachsenen gefragt, ob du vielleicht doch noch wiederkommst, doch es war vergebens, du kamst nicht wieder. Es hat mich Wochen … Monate sehr mitgenommen, du hast mir so gefehlt und es gab nichts, was mich aufmuntern konnte, ich war nur noch traurig und unglücklich, meine Welt lag einfach nur in Trümmern, die nicht wieder aufgebaut werden konnten. Irgendwann in der 3. Klasse ging es langsam besser, aber es verging kein Tag, wo ich nicht an dich gedacht und dich nicht vermisst habe und ich konnte nie wieder jemanden wie dich finden …

Einige Zeit später habe ich erfahren, dass unsere Klassenlehrerin es lange wusste, dass du fortgehen wirst und auch meine Eltern hatten es kurz vorher erfahren. Doch es hat es mir keiner gesagt, es hat keiner für nötig gehalten mir auch nur ein Sterbenswörtchen zu sagen. Auf der einen Seite weiß ich warum sie es nicht getan haben, ich hätte vorher schon Sturzbäche geweint, doch so hätte ich dir wenigstens noch Tschüss sagen können, auch wenn es sehr schmerzhaft gewesen und mehr wie traurig für mich gewesen wäre, aber es wäre eine Abschied, ein Abschluss gewesen. Aber so wie es gelaufen ist, war es noch traumatischer und schmerzhafter für mich. Ich weiß, dass es alle nur lieb und gut gemeint haben, aber das ist eine Sache, die ich nicht verzeihen kann, bis jetzt jedenfalls noch nicht … es hat mich nochmal zusätzlich dermaßen enttäuscht und traurig gemacht … ab diesem Punkt stand ich allen zukünftigen Freundschaften immer skeptisch gegenüber und tue es heute noch, aus Angst, dass es wieder passiert.

Wir konnten uns nie verabschieden … nie Lebewohl sagen … du warst einfach auf einmal weg, weshalb ich nie damit abschließen kann. Du hast eine Lücke in meinem Leben hinterlassen, die keiner wieder füllen kann … eine Wunde, die sich nie schließen wird … es macht mich heute noch sehr traurig …

Ich habe all die Jahre nach dir gesucht, doch nie habe ich dich gefunden … inzwischen glaube ich auch nicht mehr daran dich zu finden, auch wenn ein Fünkchen Hoffnung immer da sein wird.

Liebe Johanna … dieser Beitrag ist für dich und ich hoffe aus tiefstem Herzen, dass du am Leben bist und es dir gut geht.