001_2020

Liegen gelassen

Nr. F_0010

APX 100, Negativ gescannt

Manchen Gefühlen wird man sich erst Jahre später bewusst, weil man sie vorher aus unterschiedlichen Gründen erfolgreich verdrängt hat. Wenn man sich ihnen dann bewusst wird, ist es doch teilweise ein schmerzliches Gefühl.

Vom Kunstbanause zur ‚Künstlerin‘?

Hätte man mich vor einem halben Jahr gefragt was ich von der Kunst halte, speziell der Malerei, hätte es wahrscheinlich erstmal ein Stottern gegeben und dann die Antwort, dass ich mit sowas nichts anfangen kann und für mich keinen Sinn ergibt und ich da überhaupt nichts sehe. Bis auf wenige Gebiete war die Kunst schon in der Schule nicht mein Ding. Lieben Dank an meinen Papa, der einige meiner Kunst-Hausaufgaben mit Bestnote für mich abgeschlossen hat.
Insgesamt kann man mich als Kunstbanause bezeichnen, dazu steh ich auch.

Das war damals …

Heute ist das anders. Am zweiten Tag diesen Jahres hatte ich mich seit langem mal wieder mit einem besonderen Freund getroffen, wir hatten uns zum Malen oder, wie er es nennt, zum Klecksen verabredet. Erstaunlicherweise war ich für meine Verhältnisse seiner Klecks-Kunst gegenüber sehr offen. Es gab für mich auch keinen Grund abgeneigt zu sollten, wir wollten schließlich zusammen klecksen und ich wollte mal was Neues kennen lernen. Eher zurückhaltend und nach und nach erzählte er mir wie er zur Kelckserei gekommen ist und was er mit manchen Dingen verbindet und wie er alles macht und wie manches entsteht. Es war für mich sehr interessant in seine Welt einzutauchen. Ich war damals über mich selber erstaunt, dass ich ihn verstand als er mir alles erzählte, obwohl ich mit Kunst nichts am Hut hatte, aber warum auch immer verstand ich ihn so gut, als wenn ich selber wäre. Der Anfang eines Bildes ist offen, das Ziel muss nicht sofort definiert sein, es kann auch erst mittendrin oder erst am Ende entstehen, man muss sich treiben lassen und mit der Zeit entwickelt es sich – sei es das Bild oder man selber.

Wir haben zusammen eine Maske bekleckst, in meiner Lieblingsfarbe … grün. Ich war erstaunt mit welch Leichtigkeit er anfing, fast wie eine kindliche Leichtigkeit … für mich damals beneidenswert. Ich bin ein Mensch, der über jeden Schritt nachdenkt und ihn zerdenkt und sich dann nicht traut oder eher zaghaft und (zu) zurückhaltend. Für mich war es toll, dass er mir – wie so oft – alles geduldig erklärt hat, wie er manches macht und was es für zahlreiche Möglichkeiten es gibt zu Klecksen bzw.  Farbe irgendwo rauf zu bringen. Dies war mein Einstieg in die Kunst.

Es folgten einige weitere Klecks-Treffen und nach und nach stellte sich ein gewisses Gefühl bei mir ein, ein Gefühl des inneren Friedens, der inneren Ruhe und der inneren Zufriedenheit. Lange … sehr lange habe ich nach diesem Gefühl ‚gesucht‘. Seit Jahren oder vllt. auch Jahrzehnten suche ich etwas für mich – wirklich nur für mich, etwas, was ich wirklich mal dauerhaft mache und durchziehe. In Sachen Hobbys habe ich nie irgendwas zu Ende gebracht, war immer auf der Sache nach dem ‚Richtigen‘ für mich, habe immer aufgehört und keine Ausdauer gehabt, es war eine dauerhafte Suche. Habe ich nun in der Kunst, mit der ich bis vor Kurzem überhaupt nichts anfangen konnte, wirklich etwas für mich gefunden? Wenn ich auf mein Inneres höre, ist die Antwort eindeutig ‚Ja‘. Das Klecksen ist etwas, was ich nicht aufgeben werde und unbedingt weiter machen möchten, es gibt mir sehr viel und ich habe wirklich etwas für mich – nur für mich – gefunden. Hier kann ich Ich sein und mich auslassen wie ich möchte, ohne, dass jemand sagt, dass das nicht geht oder ich das so nicht machen kann … doch ich kann alles was ich will und es geht alles, man muss es nur wollen und sich drauf ein lassen und sich nicht selber im Weg stehen. Anfangs war dies noch ein wenig problematisch für mich, aber ich sehe eine große Entwicklung bei mir. Bin nicht mehr so zurück haltend wie am Anfang, bin mutiger, schalte den Kopf ab und leg einfach los und schaffe es mal alles raus zu lassen, was in manchen Wochen passiert ist bzw. sich angestaut hat. Es ist ein sehr guter Ausgleich zur Realität. Gerade auch in der aktuellen Situation. Es ist ein so tolles erleichterndes glückliches – manchmal unbeschreibliches Gefühl – wenn man einen Schritt beendet hat. Ich liebe dieses Gefühl.

Ich persönlich seh mich nicht wirklich als Künstlerin. Ich stehe erst am Anfang dieser endlosen Reise und ich freue mich sehr auf sie. Es gibt noch so viel zu erlernen und so vieles was ich noch machen möchte. Ich habe gerade erst angefangen damit, da bin ich noch keine Künstlerin. Klar sehe ich, dass ich mich entwickeln kann, aber es gibt immer so vieles Neues zu entdecken und zu erlernen, ich denke man kann auch nicht sagen, dass man alles kann, es kommt immer wieder Neues hinzu auf dieser endlosen Reise. Und eigentlich ist es mir auch egal, ob Künstlerin oder nicht, es ist nur ein Wort, hauptsache ich tue etwas für mich und bin glücklich damit.

Ich bin sehr dankbar, dass er mir die Kunst gezeigt und näher gebracht hat, mir so viele verschieden Wege aufgezeigt hat und mich hat dran teilhaben lassen und es mir möglich gemacht hat, dass ich mich so oft kleckserisch austoben kann und mir mit Rat und Tat zur Seite steht. Danke lieber Ronald, endlich habe ich etwas für mich – nur für mich – gefunden.

Das ist die gemeinsam mit Lichtbildprophet bekleckste Maske, sie hängt nun über meinem Schreibtisch (M_0001)

Ein ganz besonderer Freund

Mein zweiter Beitrag ist für mich etwas Besonderes … auch hier fiel es mir leicht zu entscheiden über was bzw. wen ich schreibe, wenn ich auf meine innere Stimme höre. Diesen Beitrag möchte ich einem ganz besonderen Freund widmen.


Unsere Freundschaft begann vor einigen Jahren. Wir hatten beruflich miteinander zu tun und lernten uns besser kennen und es entstand ein reger Schreibkontakt. Am Anfang war es nur ein Kontakt, es dauert eine Weile bis wir von einer Freundschaft reden konnten.
An unsere Anfänge erinnere ich mich sehr ungerne zurück, es gab viele Höhen und Tiefen, vllt. mehr Tiefen als Höhen, Es ist mir sehr unangenehm und peinlich was für ein Verhalten ich damals an den Tag gelegt hatte, weshalb ich ungerne zurückblicke. Wir hatten einige Differenzen und es war schon ein ziemliches Auf und Ab, mal gabs Funkstille, dann war wieder alles in Ordnung und dann hat es wieder geknallt. Ich mochte diese Achterbahnfahrt nicht, um ehrlich zu sein habe ich es gehasst. Ich habe es gehasst wenn es grad wieder eine Talfahrt war oder es geknallt hat. Emotional betrachtet habe ich unsere Meinungsverschiedenheiten gehasst. Neutral betrachtet war so eine Meinungsverschiedenheit mal ganz gut, nur war ich damals nicht sehr diskussionsfreudig und habe immer geblockt und war ein Sturkopf, das hat sich inzwischen geändert. Wenn ich mich recht erinnere, war ich eigentlich immer Schuld an unseren Problemen, was mich immer noch immer traurig macht. Wenn es mal wieder geknallt hatte, dann wusste ich manchmal gar nicht was los war, wusste manchmal nicht was ich falsch gemacht hatte, es dauerte immer ein bisschen bis ich drauf gekommen bin und ärgerte mich oft warum ich manches gesagt oder geschrieben hatte. Manchmal war es aber auch verletzend für mich, wenn dann doch sehr harte und ehrliche Worte von ihm kamen. Ich war manchmal sehr traurig darüber und es gab doch etliche Tränen. Heute verstehe ich warum er manches gesagt und getan hatte, es war für ihn auch nicht einfach mit meiner stark ausgeprägten Emotionalität klar zu kommen, sowie auch mit anderen Sachen, ich bin halt nicht einfach. Doch trotzdem waren manche Worte zu viel für mich. Er hat mir versichert mich nicht zu verletzen … doch dann ist es doch passiert, nicht nur einmal, was er auch mal eingesehen hatte und es tat ihm leid, es war ein kleiner Trost und für mich war es manchmal schwer ihm noch genauso zu vertrauen wie vorher. Für mich war dieses emotionale Auf und Ab manchmal die Hölle, die Emotionen waren einfach zu stark. Bei jedem kleinsten Problem dachte ich, dass unsere Freundschaft beendet ist, ich hatte immer Angst davor, es war wie eine Verlustangst, Angst ihn zu verlieren, er war für mich schon immer jemand ganz Besonderes, was er leider nicht verstehen konnte. Ich weiß auch nicht warum er für mich so wichtig war/ist, aber ich wusste, dass es sich lohnt diese Freundschaft nicht aufzugeben und darum zu ‚kämpfen‘. Ihn zu verlieren hätte damals schon eine große Lücke in meinem Herzen hinterlassen, ich kann nicht sagen warum, will es auch nicht wissen. Er hatte damals schon nach kurzer Zeit einen Platz in meinem Herzen und war mir sehr wichtig. Insgesamt ist es für mich teilweise schmerzlich zurück zu blicken, doch manchmal kommt alles wieder hoch und was ist geschehen ist, kann man nicht ändern und wir haben das heute zum Glück hinter uns gelassen. Was ich immer vergesse (und ich weiß nicht warum), ist, dass er nach ca. 1,5 Jahren von einer Freundschaft zu mir reden konnte. Aus irgendeinem Grund hat sich das nicht verfestigt bei mir, sodass ich ihn selbst Anfang diesen Jahres gefragt habe, ob er nun von einer Freundschaft zu mir reden konnte. Glücklicherweise bejahte er dies und wie sich es sich herausstellte, ist es sogar eine besondere Freundschaft. Dieses Besondere war eigentlich auch schon damals der Fall, nur war das wie ein Filmriss weg bei mir. Damals hatte er mir ein kleines Geschenk mit ein paar Worten gegeben: Für eine besondere Freundin. Dieses Geschenk habe ich dieses Jahr wieder in  den Händen gehalten und mich darüber gefreut, aber auch gefragt, warum ich es nicht als gesetzt ansehen kann, dass es eine besondere Freundschaft zwischen uns ist. Wahrscheinlich wusste ich durch dieses (emotionale) Auf und Ab bei uns, nie unseren aktuellen Status, hatte auch immer Sorge aus seiner Kontaktliste ausrangiert zu werden. Rückblickend war es auf jeden Fall ein sich näher kennen lernen der anderen (besonderen) Art.  Unsere Vertrautheit wuchs trotzdem stetig, langsam aber stetig, was für uns beide angenehm war und ist. Irgendwann hatten wir einen für uns beide angenehmen Takt in unserer Freundschaft gefunden.

Dann kam seine Erkrankung … schlagartig … ich hatte es damals gar nicht richtig realisieren können … war hilflos … wusste nicht was ich machen sollte und verfiel in Schockstarre. Er hatte mir auch nie direkt gesagt was los war damals. Klar war ich etwas traurig darüber, aber er hatte damals viel wichtigere Dinge im Kopf, und hat dafür mein vollstes Verständnis. Für mich ist es immer noch wie ein Filmriss … auch wenn ich weiß, dass es nicht so ist und es einiges gibt was dies untermauert, auch alleine seine Aussage, dass es nicht so war … habe ich das Gefühl, dass ich ihn im Stich gelassen habe …dass ich nicht für ihn da war … was mir sehr leid tut, auch wenn er sagt, dass es nicht so war, aber ich werd dieses Gefühl einfach nicht los, es lässt nicht ab von mir und ich fühle mich schlecht deswegen. Ich hatte mich zwar regelmäßig erkundigt wie es ihm geht, aber dieses Gefühl ist immer noch da. Während seiner Krankheit bzw. Therapie haben wir uns getroffen, das ist auch sein Beispiel, dass ich für ihn da war und er jemanden zum Reden hatte und ich ihn nicht im Stich gelassen hatte. Erst im Nachhinein – Jahre später – haben wir uns gegenseitig Preis gegeben wie wir diesen Tag empfunden hatten. Wir geben uns immer erst nach und nach etwas Preis, das ist das Schöne, man lernt immer was Neues über den Anderen. Dieses Treffen hat unsere Freundschaft geprägt, da sind wir uns beide einig. Es war ein warmer Sommertag und wir saßen auf einer Bank vor einer Kirche und haben Stundenlang geredet. Dieses Jahr hat er mir erst gesagt, dass es ihm gut tat jemand zum Reden gehabt zu haben, was mich sehr freut, dass ich ihm etwas geben konnte. Ich hatte damals Angst vor diesem Treffen, große Angst um ganz ehrlich zu sein, ich wusste nicht was mich erwartet. Ich war sehr aufgeregt und mir gingen sämtliche Gedanken durch den Kopf … sieht er anders aus … ist er anders …
inwiefern hat es ihn verändert … ist er jetzt anders zu mir … usw. Ich hatte irgendwie auch Angst ihm unter die Augen zu treten, keine Ahnung warum. Als ich damals aus der Bahn ausstieg, war ich glücklich ihn zu sehen und alle Gedanken waren weg und er war wie immer (auch zu mir). Wir gingen etwas spazieren und redeten über normale Alltagssachen und dann als wir auf der Bank saßen, sprudelte es aus ihm heraus. Ich konnte ihm damals nicht sagen, was ich empfunden habe. Ich war auf der einen Seite total traurig und auf der anderen Seite total froh, dass es ihm besser ging und er am Leben war und ich ihn wieder sehen konnte, aber es war immer noch diese Starre da. Ich hatte damals – warum auch immer – den Gedanken und hab ihn eigentlich immer noch leicht, dass ich nicht das Recht dazu hab, manches zu denken oder zu fühlen in Bezug auf diese Zeit, das Recht hat nur die Familie, ich bin dafür zu weit entfernt von ihm, ich weiß nicht warum ich das denke, es ist einfach so. Ich hätte ihn damals sehr gerne gedrückt, doch diese Starre hat es mir leider verwehrt. Erst in diesem Jahr konnte ich ihm sagen wie ich damals empfand und, dass diese Starre heute immer noch ein bisschen da ist. Ich hatte damals Angst um ihn … Angst einen besonderen Menschen sowie einen besonderen Freund zu verlieren. Seit diesem Treffen damals war das emotionale Auf und Ab fast Geschichte, was sehr angenehm war. Doch die Angst, dass er mich einfach ausrangiert, war immer noch da, aber es passierte zum Glück nicht und es lief alles ruhig.

Letztes Jahr hatten wir uns leider nur ein Mal ganz kurz gesehen, was aber auch so kurz war und kaum Zeit war ein Wort zu wechseln, dass es nicht der Rede wert war. Ich bin darüber traurig, dass wir nicht geschafft hatten uns zu sehen, aber die Schuld liegt bei mir. Wir hatten einen Ausflug geplant gehabt, doch es blieb bei der Planung … leider.
Doch dann kam dieses Jahr. Gleich am zweiten Tag des Jahres haben wir uns mal wieder getroffen. Ich war etwas aufgeregt und habe mich sehr auf dieses Treffen gefreut, hatte aber auch den Gedanken, ob es zwischen uns noch wie immer ist oder anders, weil wir uns so lange nicht gesehen hatten. Im Nachhinein weiß ich, dass dieser Gedanke völlig umsonst war. Er hat mich von der Haltestelle abgeholt, und als wir uns entgegen liefen und ich sein Lächeln sah und wusste ich, es ist alles wie immer. Ich hatte mich sehr gefreut ihn wieder zu sehen und hatte auch eine kleine Freudenträne im Auge. Bei einer Tasse Tee und einer Laugenbretzel kommen wir ins Gespräch und redeten über alles Mögliche, es war schön. Seit diesem Jahr ist unsere Freundschaft sehr intensiv geworden, warum auch immer, ich will auch nicht drüber nachdenken und die Gründe erforschen, ich möchte diese Freundschaft einfach genießen und hoffen, dass sie nie enden wird. Wir reden und schreiben inzwischen über sehr vieles, es gibt nur noch wenige Sachen, die noch unbesprochen sind. Die Vertrautheit ist stark gewachsen dieses Jahr, was angenehm ist. Es ist eine einmalige und besondere Freundschaft, die mir sehr am Herzen liegt und es würde mein Herz einen großen Knacks versetzen, wenn diese Freundschaft zerbricht, ich glaube, dass ihm das nur zur Hälfte klar ist, doch vielleicht irre ich mich. Auch dieses Jahr gab es zwei kleine Talfahrten. Die eine war etwas größer und hat mir den Boden unter den Füßen weg gezogen und es war wieder dieses Verlustangst da, die Angst einen besonderen Freund zu verlieren, ich glaube es war unser größter Zwischenfall in unserer Freundschaft … es ging mir schlecht die Tage … ich war hilflos … überlegte was ich machen kann, um unsere Freundschaft zu retten. Dazu kamen noch andere private Probleme, die das Ganze nicht besser gemacht haben. Ich war sehr niedergeschlagen und unglücklich und ich wurde auf Arbeit gefragt, warum ich so depressiv schaue … tja … ich war mal wieder der Auslöser bzw. mein Verhalten und ich mache mir immer noch Vorwürfe warum ich so gehandelt habe und warum ich so bin wie ich bin und ich nicht einfach mal normal sein. Ich habe aus irgendeinem Grund immer den Zwang alles zu hinterfragen bzw. in Frage zu stellen, und das ist ziemlich nervig und ich weiß wie anstrengend ich sein kann … es ist einfach eine sehr schlechte Angewohnheit. Dazu kommt, dass ich manche (meist positive) Sachen nicht als gesetzt ansehen kann. Ich kann es aus irgendeinem Grund nicht als gesetzt ansehen, dass wir eine besondere Freundschaft und wir uns beide mögen und dass eine kleine negative Handlung oder ein negatives Wort das nicht außer Kraft setzt. Nein, bei mir ist es manchmal so, dass ein kleines Wort mich dermaßen zum Zweifeln bringt, dass ich unsere komplette Freundschaft in Frage stelle und manche Sachen immer wieder nachfragen muss, weil ich die Antwort nicht weiß oder sie eigentlich nicht wahr haben kann oder er mir sagt, dass alles i.O. ist und ich aber trotzdem nochmal nachfragen muss, ob es auch wirklich so ist. Dies Mal habe ich zu viel gefragt und das Maß war voll und es gab eine deftige Ansage und ich wurde erstmal blockiert, das alles hatte gesessen, aber richtig, und ich habe viel über mich nachgedacht und fest gestellt, dass ich echt an mir arbeiten muss und dass mein Verhalten nicht i.O. ist. Ich merke auch an anderen Stellen Probleme mit meinem Verhalten. Ich weiß nicht wie leicht ihm diese Worte oder Handlung gefallen sind, ich will auch nicht nachfragen, es war jedenfalls prägend für mich, in negativer Hinsicht. Ich hatte zu der Zeit auch nicht gedacht, dass es noch Hoffnung für unsere Freundschaft gibt. Emotional und Gedankenmäßig betrachtet war es für mich ein Höllentrip, wenn ich ehrlich bin. Ich bin mir meines (zu) emotionalen Verhaltens bewusst und ich weiß auch das Manches falsch ist und ich es nicht machen brauch und es keinen Sinn macht, aber es ist wie ein indirekter Zwang und ich schaffe es meist nicht dem entgegen zu wirken und zerstöre somit alles, was ich mir mühselig aufgebaut habe, das macht mich sehr traurig und unglücklich. Erstaunlicherweise haben wir dann doch wieder einen Weg zueinander gefunden. Nach diesem Zwischenfall und noch einem Kleinerem, hatten wir uns nochmal ernsthaft unterhalten. Ich glaube bis zu diesem Zeitpunkt war es ihm nicht bewusst, was er und unsere Freundschaft mir bedeutet und wie schlimm solche Talfahrten für mich sind, gerade aus emotionaler Sicht. Nun da viele Sachen ausgesprochen sind und geklärt wurden, ist vieles einfacher und entspannter, ich bin sehr froh darüber. Ich bin stolz auf unsere einmalige besondere Freundschaft und ich will nicht, dass sie jemals endet. Wenn ich nur daran denke, dass er irgendwann nicht mehr da sein wird, fängt jetzt schon die erste Träne an zu rollen, diese Trauer … dieser Verlust … dieser Schmerz … wäre alles nicht in Worte zu fassen. Vor diesem Tag habe ich Angst … mehr als nur große Angt.

Aus meiner Sicht, ist er ist ein Mensch mit einem sehr großem gutmütigen Herz. Er gibt mir so viel, tut so viele Sachen für mich, dass ich mich manchmal frage warum er das alles macht für mich und woher er diese (bemerkenswerte) Geduld und Ausdauer für mich nimmt. Diese Frage stelle ich mir sehr oft. Für ihn sind Taten sehr wichtig, Worte eher zweitrangig. Ich kann das nachvollziehen, doch bin ich (leider) ein Mensch, der beides braucht. Auch in dieser Hinsicht gibt er mir viel. Er ist generell ein Mensch, der aus meiner Sicht sehr viel gibt. Oft habe ich ein schlechtes Gewissen, dass er mir so viel gibt und ich ihm so wenig. Auch wenn er der Meinung ist, dass ich auch viel gebe, finde ich, dass ich er mehr von ihm bekomme und deshalb komme ich mir oft wie ein schlechter Freund vor. Ich bin ihm so dankbar für alles, dass ich meinen Dank nicht in Worte fassen kann. Dankbar für alles, was er auch für mich tut und für das, was er mir gibt, sowie auch das bisschen mehr. Er ist auch ein Freund, der mich ganz genau kennt und trotzdem zu mir hält und für mich da ist und mich so nimmt wie ich bin, mich einfach so akzeptiert wie ich bin mit allen Ecken und Kanten und Macken. Ich weiß wie schwer er es manchmal mit mir hat und deshalb bewundere ich ihn und frage mich wie es er nur mit mir aushält. Er ist ein Freund, den ich auch über alle Maßen (wert-)schätze und respektiere. Er hat immer ein offenes Ohr und einen Rat für mich, sowie ein paar liebe und aufbauende/motivierende Worte. Er ist ein Freund, der auch im Regen erkennen würde, wenn ich weine. Er ist bewundernswert, ehrlich, warm- und gutherzig und vieles vieles mehr und er wird immer einen Platz in meinem Herzen haben. Ich kann es nicht in Worte fassen, er ist ein ganz besonderer Freund und ich liebe ihn auf eine ganz besondere Art!

Der erste Beitrag

Der erste Beitrag… ich dachte, dass es lange dauern wird, bis ich weiß was mein erster Beitrag sein wird… aber ich habe auf meine innere Stimme gehört und es war sofort klar. Es ist zwar nicht das schönste Thema zum Einstieg, aber es ist mein Blog und ich kann schreiben was ich möchte.
Meinen ersten Beitrag möchte ich einem geliebten und leider schon verstorbenen Menschen widmen… meiner Oma. Inzwischen ist sie fast 9 Jahre tot und um ehrlich zu sein, habe ich ihren Tod nie verkraftet und auch nie verarbeitet und ich weiß nicht, ob ich beides kann oder schaffen werde… im Moment denke ich ‚Nein‘, da ich auch nicht weiß wie und auch mit fast niemanden darüber reden möchte oder kann und auch niemanden zur Last fallen und nerven möchte.
Als ich ein kleines Kind war, war ich viel bei meinen Großeltern, meine Eltern mussten leider viel arbeiten und so war es das Beste für mich, das verstehe ich auch. Es war toll, ich hatte alle Freiheiten und konnte mich austoben und tun und lassen was ich will und es war eine sehr schöne Zeit… doch diese hörte iwann auf als falsche Freunde in das Leben meiner Großeltern traten… unsere gute Beziehung wechselte in eine recht angespannte Beziehung, dies hielt bis kurz nach Erreichen meiner Volljährigkeit an … da lag sie auf einmal im Sterben und ist dem Tod von der Schippe gesprungen. Es war ein Schock und es war dieses Gefühl von Hilflosigkeit da. Das Gefühl war jetzt nicht unbedingt neu, aber es war noch nie in dieser Intensität da. In dem Augenblick war das normale halbwegs ungezwungene Leben vorbei und ich war plötzlich erwachsener. Ich war vorher schon erwachsen, aber das Ganze hat einen noch erwachsener gemacht. Es passierte während meiner Abschlussprüfungen, die dann nicht so dolle ausfielen, aber das war in dem Fall egal. Ich musste für meine Mutter da sein, sie hat mich damals sehr gebraucht. Ich war gerne für sie da, aber es hat mich auch teilweise etwas überfordert und es war diese Hilflosigkeit. Es war das erste Mal, dass ich jemand sah, der dem Tod so nah war… und das war ein Anblick, den ich nie vergessen werde. Irgendwie hat sie es geschafft dem Tod zu entkommen, doch sie war nie wieder die Oma, die ich kannte, sie war plötzlich ein Pflegefall und das machte mich zu einer Person, die sie mit pflegte. Das war für mich ein Sprung ins kalte Wasser, ich hatte keine Ahnung davon. Fortan war diese Pflege ein fester Bestandteil meines Lebens. Ich habe es gerne gemacht und ich bin an diesen Aufgaben gewachsen und habe mich weiterentwickelt. Einige Monate später war ich auf Bildungsreise und bekam die Nachricht von meinen Eltern, dass meine Oma wieder mit dem Tod ringt. Die zweite Hälfte der Reise habe ich nur noch wage in Erinnerung. Als ich wieder zu Hause war, ging es gleich am nächsten Tag ins Krankenhaus, meine Mutter musste arbeiten, ich war mit meinem Vater alleine da. Als ich sie sah, war es viel schlimmer als beim ersten Mal, damals dachte ich, dass es keine Steigerung mehr gibt, aber ich wurde eines Besseren belehrt… ich kann es auch nicht beschreiben, vllt. will ich dieses Bild auch nicht beschreiben, ich habe es im Kopf, doch sobald ich nach Worte dafür suche, ist es weg … bzw. verschwommen. Meine Oma war eine Kämpferin und sie schaffte es auch diesmal dem Tod zu entkommen. Doch der Weg in der Reha war lang. Sie musste vieles wieder erlernen, darum habe ich mich gekümmert. Ich habe ihr die Uhr beigebracht, ich habe mit ihr lesen geübt und mit Hausaufgaben gemacht, usw. Viele Sachen wollte sie nur mit mir machen, mit niemand anderen. Dies war sehr schwer für meine Mutter, was mir auch sehr leid tat und noch immer tut, aber so konnte ich ihr etwas abnehmen und sie entlasten. Dies hat mich meiner Oma sehr nahe gebracht und es war so als wenn wir die Rollen getauscht hatten. Als ich klein war, hat sie sich um mich gekümmert, jetzt war sie hilfebedürftig und ich habe mich um sie gekümmert. Zum Teil habe ich diese Nähe genossen, aber sie war auch schmerzhaft sie so zu sehen … sie leiden zu sehen … mit dem Leid anderer Personen komme ich bis heute in keinster Weise klar. Wir alle haben es geschafft, dass sie wieder bis zu einem gewissen Grad klar kam, ein Pflegefall blieb sie immer, das war klar, aber das Leben war wieder etwas Lebenswerter für sie.  Auch ein Herzinfarkt einige Monate später hat daran nichts geändert, aber auch hier hat sie es wieder nur knapp geschafft. Man sagt immer alle guten Dinge sind drei, in diesem Fall waren alle schlechten Dinge sind drei, aber sie lebte … und das zählte. Es verging einige Zeit und es stand ein wichtiger Termin zu Hause an, doch dann stürzte sie … es war der Klassiker an Knochenbrüchen bei alten Menschen … und es ging wieder ins Krankenhaus. Zu dem Zeitpunkt ahnte ich nicht, dass sie nie wieder nach Hause kommen wird. Mit dem Bruch lief alles gut und ich schickte meine Eltern in ihren wohl verdienten Urlaub und kümmerte mich um Oma, die im Krankenhaus für Krankenhausverhältnisse bestens versorgt wurde. Meine Eltern konnten in der Situation nichts machen und deshalb wollte ich, dass sie sich im Urlaub etwas erholen und Abstand bekommen. Ich hatte also die volle Verantwortung. Die ersten Tage ging alles gut, doch dann kam ein Anfall und es ging rapide bergab, es fing ein Pendeln zwischen Krankenhaus und Reha an und es wurde immer schlimmer und ich konnte nichts machen außer täglich hin zu fahren und bei ihr zu sein. Meine Eltern kamen aus dem Urlaub und am nächsten Tag bin ich mit meiner Mutter in die Reha gefahren. Es war ein guter Tag, ihr ging es besser und wir hatten Hoffnung, dass es nun bergauf geht. Ich wusste nicht, dass es das letzte ‚Aufbäumen‘ vor dem Tod war. Wir wollten noch zusammen Eis essen am nächsten Tag… doch dann war sie am nächsten Tag tot … sie ist einfach gegangen … sie hatte nur noch auf ihre Tochter gewartet, damit sie von uns gehen konnte. Sie hat es drei Mal geschafft dem Tod zu entkommen, das vierte Mal hat sie es nicht geschafft. Ich kann es nicht in Worte fassen … diese tiefe Trauer ist heute noch so da wie damals, es ist kein Deut besser geworden … sei es der Schmerz … sei es diese Hilflosigkeit…. Ich weiß nicht ob ich sagen kann, ob ich sie irgendwie in den Tode begleitet hab, aber manchmal habe ich das Gefühl. Und manchmal fühle mich schuldig und das wird sich glaub ich nie ändern. Leider kann ich nicht sagen warum ich mich schuldig fühle, vllt. habe ich meiner Mutter ihre Mutter weggenommen, ich hab alles gegeben was ich konnte und mehr konnte ich auch nicht tun. Trotzdem ist dieses Schuldgefühl in mir. Es war kaum Zeit zum Trauern, ich konnte nicht, ich wollte für meine Mutter da sein, ihren Schmerz zu sehen, macht mich bis heute sehr unglücklich genau wie Omas Tod.
Ich habe sehr viel von ihr… mehr von ihr als von meiner Mutter… was es für meine Mutter noch schwerer macht und dadurch für mich iwie auch und es tut mir in der Hinsicht auch sehr leid, dass ich so viel von ihr habe und dadurch meiner Mutter Schmerzen bereitet habe und sie so leiden musste/muss.

Dieser erste Blogeintrag ist für dich Oma … ich werde dich nie vergessen und du wirst immer einen Platz in meinem Herzen haben und ich danke dir für alles. Ich hoffe, dass du stolz auf mich wärst … ich vermisse dich so sehr.

Meine Oma