Cewe

Wenn ich in meinem Kleinbild-Munitionslager schaue, fallen mir immer wieder meine Farbfilme ins Auge. Als ich mit der Analogfotografie angefangen hatte, war mein erster Film ein SW-Film, dann war erstmal Pause bei mir, es war eine lange Pause, das warum sei mal dahingestellt. Um wieder in das Knipsen rein zu kommen, nahm ich damals einige Farbfilme, um zu üben. Ich wollte damals nicht gleich meine SW-Filme verballern, sondern erstmal schauen, ob es noch was für mich ist und ich es noch irgendwie kann. Eigentlich mag ich die analoge Fotografie nur in schwarz-weiß, doch sind etliche Farbfilme in meinem Besitz und dank des lieben Lichtbildpropheten haben sich die Farbfilme vor kurzen bestimmt vervierfacht, worüber ich mich sehr gefreut habe. Denn dank meiner Lomi macht mir das Knipsen in Farbe wieder Spaß. Mit den anderen Kameras ist es mir zu langweilig, es kann schon etwas verspieltes, rotziges und unscharfes sein. Da ist die Lomi einfach perfekt.

Doch was tun wenn der Farbfilm durchgeknipst ist? Früher habe ich die Fime zu dm gebracht und habe gleich Abzüge machen lassen. Da dies immer geklappt hatte, hatte ich auch diesmal meinen Film bei dm abgegeben und somit in die vertrauensvollen Hände von Cewe gegeben. Nach gut zwei Wochen schaue ich bei dm vorbei. Voller Erwartung durchwühle ich das Fach und finde meinen Film. Fast hektisch vor Aufregung öffne ich die Packung, um zu schauen wie mein erster Farbfilm mit der Lomi geworden ist. Ich blättere schnell durch und es macht sich eine Mischung aus Verwirrung und Enttäuschung breit … irgendwas ist schief gelaufen, aber gewaltig schief gelaufen. Ich tätigte erstmal meinen Einkauf, bis ich mir in einer ruhige Ecke nochmal die Abzüge anschaute … so langsam dämmerte es mir … ich warf einen Blick und die Negative und dann bestätigte sich mein Verdacht. Der Film wurde in einige Streifen geschnitten. Ist ja auch normal und richtig so, jedoch muss man dabei Aufpassen, dass man die Bilder nicht zerschneidet und genau das ist bei meinem Film passiert, sodass fast alle Bilder nur aus dem Anfang vom einen Bild bzw. aus dem Ende von einem anderen Bild besteht, denn auch bei der Herstellung der Abzüge hat keiner einen Blick drauf geworfen, dass das auch schief geht, wenn ein Negativstreifen nur mit einem halben Bild anfängt. Ich war enttäuscht und sauer, stinksauer. Wer auch immer bei Cewe sich so liebevoll um meinen Film gekümmert hat: Danke fürs Versaubeuteln. Ich weiß ja nicht wie das abläuft bei Cewe. Aber ich gebe meinen Film extra ab, damit was aus dem Film wird und er professionell bearbeitet und dann hat einer keinen Bock auf seine Arbeit und ich hab Filmsalat. Vielen Dank Cewe für das tolle Benutzererlebnis und es gibt einen klaren Daumen nach unten.

Grinch-Tag

Gestern war dieser Stiefel-Befüller-Tag, auch Nikolaus genannt. Nach drei Jahrzehnten war das Jahr gekommen und ich hatte nichts in meinem Schuh … früher hatte meine Mutter mir immer liebevoll was in meinen Schuh gelegt und ich habe mich immer sehr gefreut und war ihr sehr dankbar, dass sie das gemacht. Das habe ich dieses Jahr wieder gesagt und wie jedes Jahr freut sie sich darüber. Ich weiß wie unschön das ist sich selber am Abend oder in der Nacht vor dem Nikolaustag was in die Schuhe zu legen und morgens dann aufzustehen und schon zu wissen was einen erwartet. Seitdem ich das seit ca. 5 Jahren selber mache, weiß ich wie sich meinen Mama immer gefühlt hat, weshalb ich es noch mehr Wert schätze, dass sie mich immer wieder mit einer Kleinigkeit überrascht hat. Selbstverständlich habe ich meiner Mutter und auch meinem Vater, als ich noch bei Ihnen wohnte, auch etwas Kleines in ihre Schuhe gelegt.  Dieses Jahr hatte ich keinen Bock mehr mir selber irgendwas auszusuchen und es in meine Schuhe zu legen … es macht keinen Spaß und somit blieb mein Schuh leer. Geputzt habe ich meine Schuhe trotzdem, war mal wieder nötig und sie sollen gut aussehen und noch eine Weile halten und müssen deshalb gepflegt werden. Ja ich putze noch Schuhe bzw. habe ich Schuhe, die man noch putzen kann und die nicht nur aus irgendwas Textilmäßigem bestehen. Wenn ich meinen Kollegen mit Kindern glauben schenken darf, dann ist das Putzen total out bei Kindern und inzwischen erstellen manche Kinder schon einen Wunschzettel für den Nikolaus … nein ich hatte mich nicht verhört, und da kann da schon Mal ein iPhone auf dem Nikolaus-Wunschzettel stehen … da war ich sprachlos … bei mir gab es immer eine kleine Serviette mit einer bunten Süßigkeitenmischung, eine Orange und einen Apfel, die Tollen mit einem Tannenbaum oder einen Stern drauf, das war immer mein Nikolaus-Highlight. Mehr gab es dann auch nicht, aus meiner Sicht auch vollkommen ausreichend. Und dafür habe ich als Kind auch sehr gerne meine Schuhe geputzt.
Trotzdem blieb mein Schuh leer …  ich wusste auch nicht was ich mir in meinem Schuh hätte legen können … es ist immer das gleiche viel zu süße Süßigkeitensortiment und das Obst … naja wenn man es etwas länger reifen würde, würde ich es gerne kaufen. Dieses Jahr habe ich nur ein paar Schuhe gefüllt. Es war ein ziemlicher Zeitdruck, wollte die eine Sache per Paket bei mir nicht so recht ankommen und ich wollte es noch weiter verarbeiten und hatte nur einen Abend Zeit. Es sollte mal etwas Besonderes werde. Aber es hat zum Glück geklappt. Die Umstände haben es erlaubt, dass ich mit einigen vorsichtigen Fragen, die mich aus meiner Sicht fast verraten hätten, und ein bisschen Zeit geschafft habe dieses paar Schuhe am Freitag zu füllen. In der Hoffnung, dass sie Samstag nicht genutzt wurden. Da ich am Samstag keine Nachricht erhielt, ging mein Plan auf. Gespannt wartete ich Sonntag morgen ab … wartete und hakte nochmal nach … doch dann geschah das, mit dem ich nicht gerechnet hatte … und mein Plan scheiterte … für mich war das wie ein Weltuntergang in dem Moment, hatte ich doch versucht an alles zu denken und mir so viel Mühe gegeben … als ich den Grund erfuhr, machte es das Ganze nicht besser … naja … Pläne sind dafür da, um schief zu gehen. Dabei war es für mich etwas Besonderes … war es doch das Erste seiner Art … und ich hatte mir alles im Kopf ausgemalt und hatte mir sogar die Reaktionen darauf vorgestellt … es war eine runde Nummer für mich … aber die ganze Vorstellung ging den Bach runter wie Wasser. Als mein Plan so dermaßen aus dem Ruder gelaufen ist, war die Enttäuschung doch groß … wie konnte ich einfach nicht alles bedacht haben, warum habe ich das vergessen. Ich ärgerte mich über mich selber und meine Laune war den ganzen Tag im Keller. Mein Schuh war leer und mein Plan ging schief. Abends wollte ich das erste Mal etwas weihnachtlich schmücken. Mache ich sonst eigentlich nicht, ich bin nicht der Dekofan und habe auch kaum Platz und letztlich sind es nur Staubfänger.  Aber dieses Jahr konnte ich Deko aus nicht einfach so stehen lassen und musste sie haben und habe sie teilweise auch bekleckst. Ich holte alles hervor und stellte dann aber ernüchternd fest, dass es im Raum, wo es hin soll, keinen einzigen Haken gibt, um irgendwas hinzuhängen und ich hatte fast nur Sachen zum Hängen … wieder eine Sache, die ich nicht bedacht hatte. Das hat mir den Rest gegeben für den Tag gestern. Meine Grummelstimmung wurde noch grummeliger. Mir fiel der Grinch ein … und er passte perfekt zu mir gestern … meine Lieblingsfarbe grün und grummelige Stimmung. Ich habe gesehen, dass es den Grinch auch als Hoodie oder, in meiner Sprache, als Kaputzenpulli gibt. Vielleicht sollte ich mir den mal zulegen, um meine jährliche Weihnachtsgrummel-Stimmung noch mehr zum Ausdruck zu bringen. Was ist denn schon Weihnachten … es ist nur ein zwanghaftes Zusammensitzen der Familie, weil es der Tag irgendwie so vorgibt, aber es ist alles genauso scheinheilig wie immer … für ein paar Stunden tut man so als wenn man eine glückliche Familie ist. So kenne ich Weihnachten seit ich klein bin. Und trotzdem ist es die Zeit, wo ich sentimental werde und diejenigen vermisse, die nicht da sein können, aus welchen Gründen auch immer. Weihnachten macht mich eher traurig und nachdenklich. Denke ich auch an die, die aus verschiedenen Gründen kein Weihnachten feiern können und teilweise nicht mal ein zu Hause haben. Die Welt ist so gemein und unfair. Da fallen mir die Kinder meiner Kollegen mit ihren ausverschämten Wünschen ein … grad mal 4. Klasse und schon ein iPhone zu Weihnachten haben wollen und ich weiß, dass es eins geben wird … war ja grad billig, nur 400 Euronen. Nächstes Jahr wird es dann wieder eins geben, weil Kind mit solch wertvollen Sachen noch nicht umgehen kann. Wenn ich sowas höre, werde ich sauer … richtig sauer … weil die Welt so ungerecht und gemein ist und mir kommt mein gestriges Thema Wertschätzung wieder in den Sinn. Viele Menschen hatten gestern auch nichts in ihrem im Schuh, aber aus anderen Gründen und diese machen mich traurig und da finde ich es gut, dass nichts in meinem Schuh war. Ein Thema über das ich abends im Bett noch viel nachgedacht habe, während mich meine Grinch-Grummelei nicht einschlafen ließ.

Vor einem Jahr

Vor einem Jahr hatte ich das ganz große Glück, dass es mich aufgrund dienstlicher Belange in die USA verschlagen hat. Ich wollte schon immer mal ganz weit weg von zu Haus sein … am liebsten wollte/will ich nach Kanada, speziell Vancouver, einer meiner größten Lebensträume.
Dienstlich gesehen hatte es mich nach Bellevue verschlagen, in der Nähe von Seattle. Da Bellevue keiner so wirklich kennt, war ich der Einfachheit halber in Seattle. Für mich war das Dienstliche eigentlich nebensächlich und naja … nicht nur eigentlich … es war total nebensächlich, da fachlich leider nicht so viel dabei war für mich. Jede freie Minute war ich draußen unterwegs und hab mir so viel angeschaut wie es nur ging und hab ein Foto nach dem anderen gemacht, um alles für meine Lieben zu Hause bestmöglich festzuhalten und ihnen zeigen zu können, wie es da drüben so wirklich war. Ich bin zwar nicht mehr so der Fan der digitalen Knisperei, aber dort musste es sein und es wurde alles fest gegalten was ging, wer weiß ob ich jemals nochmal dahin komme. Nachdem das Dienstliche erledigt war, hatte ich noch ein paar Tage Urlaub ran gehangen. Ich hatte die Gelegenheit mir Seattle anzuschauen, eine wunderschöne Stadt direkt am Wasser mit einem wunderschönen Ausblick an dem ich mich gar nicht genug satt sehen konnte. Übertroffen wurde dieser Ausblick und das Drumherum nur von Vancouver, wo ich 1,5 Tage verbringen konnte und es war atemberaubend und unglaublich für mich endlich in Vancouver zu sein und mir meinen lang gehegten Lebenstraum zu erfüllen und das mit unter 30. Ich hätte gedacht, dass ich es vllt. mal mit 50 oder 60 nach Vancouver schaffen würde oder evtl. auch gar nicht, aber dass ich es so früh schaffe, hätte mich mir nie träumen lassen. Es war und ist unbeschreiblich toll für mich gewesen und ich würde sofort wieder hinreisen.
Aus heutiger Sicht hat mich diese Reise sehr verändert … manche sagen, dass ich wie ein anderer Mensch geworden bin … vor allem selbstbewusster. Wenn ich in mich reinhöre, war dieses Reise, dass was ich im Leben mal gebraucht hatte. Allein ganz ganz weit weg von zu Hause … egal aber USA, Kanada oder sonst wohin, hauptsache ganz ganz weit weg, so viel Abstand wie möglich zum Alltag bekommen und auch mal zu den mich umgebenen Personen, was jetzt nicht negativ klingen soll.
Diese Reise hat mich verändert, sodass ich Dinge mache, die ich vorher nicht mal in Betracht gezogen hätte und nun tue und sie schön sind … sehr schön sogar und ich bin unendlich dankbar für diese Erlebnisse und auch für die, die dazu führten.
Trotzdem bin ich sehr traurig und enttäuscht, dass es niemanden so richtig interessiert hat, wie es da drüben war … meine Bilder wurde nur bis Tag 2 oder 3 (von 10) angeschaut, d.h. die Bilder von meinem Lebenstraum hat noch keiner gesehen … das macht mich sehr traurig, war es für mich eine mega tolle und vor allem wichtige Sache, die ich nicht in Worte fassen kann. Bilder sind das Eine, es in Worten zu erzählen das Andere, aber auch hier war das Interesse nicht größer. Ich war so glücklich gewesen da drüben zu sein und diese vielen Bilder und Erinnerungen in mir zu haben und bin auch immer noch glücklich deswegen, auch wenn ich Angst habe, dass die Erinnerungen zu schnell verblassen werden.
Es ist ein Erlebnis was ich wohl nur mit mir selber teilen werde … aber es war eines der besten und schönsten Erlebnisse meine Lebens. Danke!

Vancouver