Neulich am Müll

Vor einigen Tagen habe ich Müll runter gebracht. Ist jetzt nichts besonderes und macht jeder, sehe ich auch so. Ich wohne in einer Gegend mit Einwohnern, deren Durchschnittsalter mehr als das Doppelte meines Alters beträgt und ich immer wieder fest stelle wieviel unterschiedliche Pflegedienste es gibt. Ich bin also in einer Ü70-Gegend wohnhaft. Es hat gewisse Vorteile, die älteren Herrschaften sind recht ruhig und nur selten man hört man abends ihre Lieblingsschlagersendungen à la Helene Silbereisen oder wie die auch alles heißen. Zum Glück kann ich meinen Fernseher auch lauter machen und muss mir das Gejaule nicht anhören. Es ist aber manchmal auch etwas nervig von so vielen Ü70ern umgeben zu sein. Ich oute mich mal als Vielbesteller bei Amazonien, Buchtelhausen und Co., das Hobby möchte schließlich befriedigt werden und ich sorge regelmäßig dafür, dass was gewünscht auch zeitnah zur Verfügung steht. So bleibt es nicht aus und meine Wohnung macht einem Lagerhaus Konkurrenz und ich könnte meine eigenes kleines Versandunternehmen gründen. Nur was soll ich verschicken? Meine Klecksereien sind nicht mal Ansatzweise so toll wie von meinem Vorbild und meist auch unfertig, teils aus Motivationsmangel, und haben möchte sie eh keiner und meine Fotografien brauchen auch noch Übung und mehr habe ich nicht zu bieten. Also bleibt mir nichts anderes übrig als mich mit meiner kleinen Machete, auch Cuttermesser genannt, durch mein Paket-Disneyschloss zu kämpfen und es in sportliche Einzelteile zu zerlegen, um es dann fachmännisch bzw. fachfrauisch zu entsorgen. Da fällt mir ein, dass ich es auch noch fachdiversisch entsorgen muss, wie konnte ich das nur vergessen. Da ich nicht zu den Menschen gehöre, die ihre Pakete einfach im leeren Rohzustand in die Tonne werfe, sodass diese dann gleich wieder voll ist, komprimiere ich alle Pakete durch Einsatz meiner Machete zum kleinstmöglichen Paket zusammen. Ich denke daran, dass auch noch andere ihren Müll weg bringen wollen. Ich nehme mein kaputtes Disneyschlosspaket aus Pappe und begebe mich durch das nicht wohlriechende Treppenhaus nach unten. Irgendjemand hat Eierkuchen gemacht und über den Hausflur gelüftet und es riecht nach kaltem Fett, da wird mir jetzt schon wieder schlecht wenn ich daran denke. Leider habe ich nicht meine schwere Atemschutzausrüstung dabei um mich dadurch zu kämpfen. Als ich die Pforte des Hauses duchtrat, nahm ich erstnal einen tiefen Atemzug. Es tat gut, auch wenn es nur Stadtluft war, aber besser als die Abluft im Treppenhaus. Bevor ich den Schauplatz des Geschehens betrat, leerte ich noch schnell den Briefkasten. Ich könnte ihn mit Zetteln wie „Keine Werbung, Wochenblätter, etc.“ zukleistern, es würde immer noch etwas dergleichen im Kasten landen. Warum mach ich auch diese Zettel ran, könnte ja auch gut sein, dass ich mir nicht sicher bin und ich vielleicht doch die Werbung bekommen möchte. Ich ärgerte mich nicht weiter und ging zum Müllplatz. Vom weiten hörte ich schön wie zwei Damen gehobenen Alters eine rege Unterhaltung führten. Ich schloss die Tür zum Müllplatz auf und merkte schon wie ich mit meinen zwei Kompaktpaketen von oben bis unten gemustert wurde. Ich geb zu, ich gehe nicht im Sonntagskleid zum Müll runter, wenn ich vorher auf der Couch einen auf Kartoffel gemacht habe. Nein, es prangerte mein Lieblingshörnchen auf meinem Pullover und ich steh dazu. Ich ging zu meiner mir auserwählten Papiertonne, stellte meine beiden Pakete davor hin und öffnete die Tonnen. Zu meinem Erstaunen war sie leer. Ich hiefte den großen Deckel bis ganz nach hinten und versenkte mit einer Gewissen Genugtuung mein erstes Paket. Im Seitenblick sah ich wie sich die eine ältere Dame in meine Richtung bewegte. Ich schaute sie an und sah ihren herablassenden belehrenden Blick. Wenn ich sowas immer schon sehe, ist meine Grundstimmung schon mal etwas ins Negative gerutscht. Unfreundlich blaffte sie mir entgegen, dass ich die Pakete auch auseinander falten kann, damit mehr Papiermüll in die Tonne passt. Ich begegnete ihr mit einem freundlichen Hallo und bat sie bitte den Mindestabstand einzuhalten und sich bitte aus meinen Müllangelegenheiten rauszuhalten, ich mische mich ja auch nicht in ihrem Müll ein. Damit hatte sie anscheinend nicht gerehnet. Ich hatte mit meiner Reaktion auch nicht gerechnet, denn innerlich bin ich explodiert, was geht der Schnepfe meinen Müll an. Soll sie sich um was anderes kümmern und mich einfach in Frieden lassen, so wie ich sie auch in Frieden lasse. Sie schritt von dannen zur ihrer Tratschkumpanin und regte sich lauthals darüber auf, dass die jungen Menschen so respektlos und unfreundlich sind. Ich dachte ich höre nicht richtig und mein Schwein bohnert mal wieder mit einer außergewöhnlichen Kür über das Parkett. Das kann nicht wahr sein. Ich begegne jeden Menschen mit Respekt, egal welchen Alters, Herkunft oder was auch immer. Ich schmetterte mein zweites Paket in die Tonne und wollte mich auf den Heimweg machen und die beiden Damen ignorieren. Doch das klappte nicht. Die andere Dame fragte mich unfreundlich, warum ich meine Pakete nicht zerkleinere und warum ich um Abstand bitte. Ähm ja … Corona ist anscheinend grad nicht. Mir reichte es, eigentlich wollte ich nichts sagen, aber ich hab es satt. Ich hab es satt, ständig werden alle jungen Menschen von älteren Menschen über eine Kamm geschert und als respektlos bezeichnet. Das stimmt überhaupt nicht, sie sollten selber mal mehr Respekt zeigen. Ich weiß es gibt genug jüngere Menschen, die ältere Menschen respektlos behandeln, aber nicht alle, also macht mal einen Punkt! Von mir verlangen sie, dass ich sie respektvoll behandle, das möchte ich dann aber auch und nicht so doof angemacht werden. Nur weil sie alte Leute sind, heißt das noch lange nicht, dass sie einen herablassend behandeln müssen nur weil sie ein bis zwei Weltkriege mehr erlebt haben als ich. Nein das gibt ihnen nicht das Recht dazu mich so behandeln. Ich erkläre recht unfreundlich und angefressen, dass wir Abstand halten, weil wir grad zufällig Corona haben und damit wir alle – insbesondere sie – nicht abkratzen. Als sie den Mund aufmachen wollten, redete ich geich weiter, sodass sie keine Chance hatten, was zu sagen. Ich fuhr meine kleine Rede fort, dass es sie einen feuchten Scheißdreck angeht wie ich meinen Müll weg schmeiße und ich zu denjenigen gehöre, die ihren Papiermüll so klein wie möglich komprimieren und wenn sie das nicht glauben, können sie gerne in die Tonne klettern und nach schauen und dass sie sich mal überlegen sollten zu jüngeren Menschen mal netter zu sein. Auf die Frage, ob sie das Sprichwort „Wie es in den Wald hinein ruft, so schallt es wieder heraus.“. Eine Antwort habe ich bis jetzt immer noch nicht bekommen, aber es interessiert mich auch nicht. Ich war einfach nur noch mega angefressen. Wieder in den eigenen vier Wände machte ich meinem Ärger ordentlich Luft und schimpfte wie ein Rohrspatz oder wie ein Wellensittich auf einer Überdosis Jod S-11.

Auf die Ohren

Ich höre eigentlich sehr gerne Musik, doch seit geraumer Zeit geht das nicht mehr. Um genauer zu sein seit letztem Jahr, seit unserem Vollcrash, der so einiges irreparabel beschädigt hat … leider. Seitdem habe ich es drei Mal geschafft Musik zu hören, nicht lange, danach wurde es unerträglich. Diese drei Male fühlten sich gut an und ich dachte, dass es jetzt wieder geht, aber dem war nicht so. Es ist egal welche Musik läuft, sei es traurige oder gute Laune Musik, nach kurzer Zeit fühlt es sich nur noch wie eine Qual an und ich muss sie ausschalten. Im Moment kann ich sie nur hören, wenn sie bei dir leise im Hintergrund läuft, anders geht es gegenwärtig nicht. Den Grund kann ich selber nicht sagen. Wenn es nur bestimmte Musikstücke wären, würde ich es verstehen, aber dem ist nicht so. Die Musik fehlt mir schon, aber ich weiß wenn ich sie anmache, dann mache ich sie gleich wieder aus … bleibt nur abwarten und Geduld haben.

An Tagen wie diesen …

… wo gefühlt alles schief geht und irgendwie auch nicht. Die Familie, die man sich nicht aussuchen kann, hat sich angekündigt und wünscht sich meine TripleSchokoSchockCookies. Kein Problem dachte ich mir, die wollte ich schon seit langer Zeit mal wieder backen, denn irgendwann haben auch die Zutaten ein Todesdatum, was aber zum Glück noch etwas dauert, was man vom armen Pudding letztens nicht sagen kann. Ich fing an alle Zutaten zusammen zu suchen, während die Butter in der Mikrowelle wieder ihre legendäre Flugshow hinlegt, zum Glück gibt es Abdeckhauben. Während ich danach den Mixer quälte oder er mich, das weiß ich bei diesem Teig immer nicht, wer am Ende geschaffter ist, der Mixer, der jeden Moment droht in Rauch aufzugehen oder ich nach meinen Fitnesskurs „SchokoSchock für Fortgeschrittene“. In dem Moment wusste ich wieder warum es die Cookies nicht oft gibt. Heute war es aber anders, noch schwerer als sonst … ich ging nochmal in mich, ich muss etwas falsch gemacht haben. Ich gehöre nicht zu denen, die die Schuld bei den anderen suchen, nein ich schaue zuerst bei mir. Ich ging Posten für Posten das Rezept durch und da war der Übeltäter, ein Stück Butter fehlte … ja ein Stück sind halt nur 250 g und nicht 500 g, wie ich kurz nach dem Aufstehen dachte. Was für ein dummer Fehler, passiert mir das doch sonst nicht. Ich war mit meinen Gedanken woanders – wahrscheinlich war ich wieder bei dir, wie immer. Das fehlende Stück Butter war schnell hinzugefügt und der Teig fühlte sich schon besser an, so muss er sein. Kurz bevor der Teig fertig ist, müssen die Knethaken getauscht. Ist ja kein Problem und kinderleicht. Ist nur blöd, wenn man mit den Gedanken nicht bei der Sache und beim Rausziehen der Knethaken ausversehen den Mixer wieder einschaltet und vor Schreck nicht ausschaltet und sondern ein paar Stufen höher dreht, damit die Teigpampe auch wirklich in der letzten Ecke der Küche landet. So ne verdammte … na ihr wisst schon. Ich habe schlimmer geschimpft als ein Rohrspatz. Oder wie ein Rohrspatz? Ich glaube als ist richtig. Und eigentlich ist mir das auch egal, jeder versteht mich und es machen so viele Menschen falsch. Die Familie sieht das anders. Ich habe nichst gegen sie und ich habe auch nichts gegen Lehrer … aber Lehrer in der Familie können echt anstrengend sein und gerade beim als und wie werde ich doch des Öfteren belehrt und das es ja so einfach wäre und man nicht verstehe warum das so viele falsch machen. Ja ist es auch einfach, aber man redet einfach und denkt nicht nach, vor allem nicht, wenn man stinksauer ist, weil die Küche schlimmer aussieht als nach meiner gestrigen Farbschlacht, die mich gestern sehr unzufrieden und bockig gestimmt hat. Eine Nacht später hat sich das Blatt jedoch gewendet und ich war sehr positiv überrascht von meinem Bild. Nach meiner trotzigen Bockphase hätte ich nicht gedacht, dass nach dieser Farbschweinerei noch etwas Brauchbares raus kommt. Nach dem Teig-Malheur machte sich die alte „Kriegsverletzung“ wieder bemerkbar, die vor einiger Zeit wieder aufgegangen ist und nun einfach nicht heilen möchte und zeitweilig bei jeden Schritt schmerzt. Da hatte das Krümelrodeo doch was Gutes mal nicht daran gedacht zu haben. Aber wie sagt man so schon, ein Indianer kennt keinen Schmerz. Darf man das heute eigentlich noch sagen oder ist man dann gleich wieder rassistisch oder so? Irgendwie darf man heutzutage ja eh nicht mehr seine Meinung äußern, obwohl es ja eigentlich eine Meinungsfreiheit gibt. Aber sobald man etwas sagt, ist man gleich rassistisch, ein Nazi, usw. Dabei ist man das gar nicht und wollte nur seine Meinung kundtun, was das Recht von jedem ist … dachte ich jedenfalls. Man soll ja auch nicht mehr denken, sondern soll alles Häppchenweise vor die Nase gestellt bekommen. Komische Welt, die immer öfter nicht mehr Meine zu sein scheint.