Mein Stein

Für mich war es nur ein Stein … anfänglich betrachtet … ich dachte mir, hauptsache er ist glücklich und hat Material für seine Kunst und ich konnte ihm auch endlich Mal etwas Gutes tun. Klar hätte ich es am liebsten gehabt, wenn er alles mitgenommen hätte, aber ich verstehe um die Lagerprobleme und auch die Zeit alles zu verarbeiten. … zurück zum Stein … ich glaube es war ein vebrannter Ziegelstein … ja es war nur ein Stein … aus heutiger Sicht schäme ich mich für diesen Satz … muss aber zugeben, dass ich zu diesem Zeitpunkt als der Satz so aus mir raus geplatzt ist, ich einfach nur diesen ganzen Schutthaufen los werden wollte und für mich alle Steine nur noch gleich aussahen, ich konnte kaum noch einen Unterschied sehen bzw. dachte an die Kraft, die hinter mir und auch vor mir lag diese Haufen zu entsorgen. Weiterhin hatte ich keine Ahnung, was man aus so einem Stein hätte machen können. Es ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich gesehen habe wie jemand einem Ziegelstein ein zweites Leben geschenkt hat, ohne, dass der Stein mit seines Gleichesinnten eine Mauer bilden muss. Gespannt erlebte ich einige Zwischenergebnisse. Der für mich beeindruckenste Moment war, als der Stein frisch gereinigt und gebadet und getrocknet war … es war ein WOW … ich war ungläubig, ob es wirklich der Stein war, den ich so abschätzig einfach nur Stein genannte hatte … ja es war dieser Stein … ich konnte mich kaum satt sehen an dem Stein und musste ihn immer wieder anfassen. An seiner Kunst ist es u.a. das Tolle, dass man sie anfassen kann, sie berühren und spüren kann, man die Augen schließen kann und seine Finger sehen lässt. Jedes Mal freue ich mich darauf neue Dinge zu ertasten, wenn ich bei ihm bin. Dieser Stein musste dran glauben und wurde mehfach von mir berührt … obwohl er eigentlich mit seiner Schönheit und Einzigartig mich berührt hat. Ab diesem Moment habe ich mich geschämt, dass ich gesagt habe, dass es nur ein Stein ist. Ich musste erst sehen was man daraus machen kann, um diesen Stein wertzuschätzen.

Wertschätzung … ich finde heutzutage wird vieles nicht mer Wert geschätzt und alles für selbstverständlich angesehen. Das Leben ist nicht selbstverständlich und auch alles wir erleben und unseren Besitz nennen dürfen ist nicht selbstverständlich. Für sehr viele Menschen schon und viele wollen immer meh, ohne erstmal das Wert zu schätzen was sie überhaupt haben. Seien es Gegenstände, Erfahrungen und Menschen in Form von Familie; Freunde, etc. . Ich finde auch als Mensch hat man in der Gesellschaft an Wert verloren … man ist halt da … macht seinen Job, dient zur Bespaßung der Anderen, wird ausgebeutet und das wars dann auch … das aber dahinter ein Mensch mit Gefühlen steckt, vergessen oft viele.  Auch mir persönlich fehlt oft die Wertschätzung. Man gibt sich Mühe für einen lieben Menschen, aber es wird manchmal einfach nur gleichgültig hingenommen, obwohl es sich manchmal um etwas Besonderes handelt. Es tut manchmal weh … sehr weh, aber ist dann halt so. Vielleicht ist es eine Art Retourkutsche des Lebens oder von wem auch immer. Menschen habe ich schon immer Wert geschätzt, niemand war für mich selbstverständlich. Ich muss aber leider eingestehen, dass ich glaube ich nicht so besonders gut darin bin die Wertschätzung gegenüber mir wichtigen Meschen gut rüber zu bringen, was mir sehr leid tut. Hat es doch an mancher Stelle deswegen einen kleinen Disput oder Vorwurf gegeben. Dabei war es nie meine Absicht jemand minderwertig zu behandeln oder weniger Wert zu schätzen, ich konnte meine Wertschätzung nicht gut genug rüber bringen, obwohl sie da ist.

Zurück zum Stein, der für mich nicht mehr nur ein Stein war, nein, er war etwas ganz Besonderes. Immer noch verwundert darüber, was man mit so einem Ziegelstein machen kann, entstand in mir der Wunsch auch so einen tollen Stein zu finden und ihm wieder ein Leben zu schenken und ihm einen Wert zu geben.
Es lagen einige Kubikmeter Bauschutt vor mir, die entsorgt werden mussten. Jeden Stein den ich in der Hand hatte, wurde genau betrachtet. Ich war auf der Suche meinem besonderen Stein. Alle Personen, die mitgeholfen den großen Schutthaufen zu entsorgen, wurden von mir … ja regelrecht instruiert, dass sobald sie einen Stein finden der auch nur Ansatzweise so aussah wie der verbrannte Stein, ihn bitte beiseite legen sollen, damit ich sie inspizieren kann, ob mein besonderer Stein mit dabei ist. Insgeheim hoffte ich inständig, dass ich ihn selber finde, das wäre für mich was ganz besonderer gewesen. Tage vergingen … Wochen vergingen … der Schutthaufen wurde immer kleiner und meine Hoffnung verschwand langsam meinen besonderen Stein zu finden. Als ich eigentlich schon aufgegeben hatte und unter der brennenden Sonne mismutig die Steine in den Container stapelte, stieg die Enttäuschung in mir. Doch dann geschah das, was ich nicht mehr für möglich gehalten hatte … ich fand ihn … mein Stein … mein besonderen Stein. Es war auch ein verbrannter Ziegelstein, bei dem 1/4 fehlt und man kann in sein Inneres sehen. Liebevoll wurde er von mir abgebürstet und er durfte einen Tag im Wasser stehen. Als ich ihn heraus nahm, ging mein Herz auf … er sah wunderschön aus und sieht es immer noch … ja dies ist mein Stein und er ist toll und er passt auch zu mir, er ist dunkelgrün und grün ist grün ist meine Lieblingsfarbe. Ich danke allen Umständen, dass ich meinen Stein gefunden haben. Nun ziert er die Mitte des Tisches und ich sehe ihn jeden Tag und erfreue mich an ihm.

Es wäre schön wenn alle mal wieder etwas mehr an Wertschätzung denken, egal ob es gegenüber einem Mensch oder einem Gegenstand oder irgendetwas anderem ist.
Dieses Jahr habe ich in Sachen Wertschätzung sehr viel gelernt und ich bin überaus dankbar dafür und habe eine anderen Blick u.a. für die Dinge bekommen, die andere schon längst entsorgt hätten. Danke!