053_2020

Verschwinden

Nr. F_0081

APX100, Negativ gescannt

Zerstörerisch, zu unüberlegten Kurzschlusshandlungen neigend, schwarz-weiß-denkend, ängstlich, immer vom schlimmsten ausgehend, quälend, nervend, zweifelnd … wie kann man so jemanden mögen … oder gar lieben …

Bitte mehr Korn

Hallo, meine Name ist … ach der spielt keine Rolle. Auserwählte nennen mich „Das Held“ und ich bin ein guter Bekannter von ZweifelnHochZwei. Gelegentlich treffen wir uns und klecksen gemeinsam oder gehen auf Fotopirsch. Hier hat ZweifelnHochZwei öfter mal den Wunsch geäußert, Abzüge und Bilder mit mehr Korn haben zu wollen. Damit das, was ich ihr erzählt habe, irgendwo notiert ist und nicht vergessen werden kann, darf ich einen Blogbeitrag schreiben.

Ich fange beim Film an. Pauschal lässt sich sagen: Je höher die Empfindlichkeit, umso größer die Chance der Kornbildung. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Selbst ein langsamer Film (zum Beispiel ISO 100) lässt sich zum Korn bewegen. Man muss lediglich die Belichtungszeit etwas länger als normal wählen. Was wäre in dem Fall normal? Statt 1/250 Sekunde eben nur 1/60 Sekunde. Diese Änderung müsste wiederum mit einer höheren Blendenzahl (kleinere Blendenöffnung) kompensiert werden, was aufgrund des größeren Schärfebereich auch wieder kontraproduktiv ist.

Ich probiere es mit der Entwicklung. Hydrochinon-basierte Entwickler neigen bei stark verdünnten Arbeitslösungen zur Kornbildung. Damit verlängert sich die Entwicklungsdauer. Eine Ausnahme ist der legendäre Rodinal und seine Derivate: In Arbeitslösungen mit hoher Konzentration (1 + 25) neigt er zum Korn. Nur ist die Entwicklungszeit dadurch relativ kurz. Stark verdünnte Arbeitslösungen zeichnen sich durch hohe Schärfe und Detailkontrast aus.

Ich höre schon ZweifelnHochZwei, die mir sagt, dass sie von meinen schlauen Worten nichts verstanden hat. Es gibt keine einfache Lösung, kein Universalrezept für mehr Korn. Es gibt mehrere Stellschrauben, die aber immer einen Rattenschwanz an Konsequenzen nach sich ziehen.

Noch einmal der Film: Ein besonderes Korn liefert der Kodak Tri-X 400. Zwar wurde hier über die Jahre am „Salz und Pfeffer“-Muster geschraubt, dennoch ist sein Korn eine erste Offenbarung, die man mittlerweile mit bis zu 8 Euro pro Film bezahlen muss. Ich persönlich favorisiere die Fomapan-Filme, wobei ich bei der Wahl des Films Belichtungszeiten unter 1/100 Sekunde im Auge habe. Anders formuliert: Ich habe den Mut, dass das Licht knapp ist und so auch Unschärfen durch Verwackeln und Bewegung ins Bild kommen.

Fomapan-Filme kosten je nach Empfindlichkeit um die 4 Euro. Mein aktueller Favorit für Studioarbeiten ist der Foma Retropan 320 soft. Neben dem Korn ist seine Gradation mit Rodinal entwickelt einzigartig. Als Alternative zu den Foma-Filmen greife ich gerne auf Rollei-Filme a la Retro 80s (@ ISO 50), Superpan 200 oder Retro 400s zurück.

Abschließend noch eine Weisheit hinterher: Gerade wenn es darum geht Korn ins Negativ und später ins Bild zu bekommen, sollte man viele Standardratschläge beiseite lassen. Den meisten Analogfotografen geht es darum, möglichst kein Korn zu erzeugen. Folglich muss man oft einfach nur entgegengesetzt handeln. Gerade wenn Unschärfen durch eine geringe Blendenzahl (große Blendenöffnung) und feinste Bewegungen durch lange Belichtungszeiten ins Spiel kommen, sprießt das Korn von allein. Der letzte Tipp von mir: Ganze Kleinbildnegative einfach größer 18 x 24 cm oder nur Auszüge stark vergrößert abziehen.

Ein spontaner Gedanke

Gerne würde ich meinen Blog besser pflegen. Manchmal (meist) fehlt es an Zeit und ich habe viele Gedanken, was ich schreiben möchte … manchmal sitze ich vor ihm und dann herrscht Leere im Kopf, obwohl Zeit da ist … es fehlt dann an Moivation, obwohl eigentlich so viel da ist, was nieder geschrieben werden könnte, aber ich kann mich nicht aufraffen und dann dauert es Tage oder manchmal Wochen bis ein Beitrag in Worten fertig ist. Fotos/Malereien gehen schneller, doch darf man auch hier nicht vergessen, dass sie in der Vorarbeit teils genauso lang oder länger brauchen bis sie erscheinen können.

Manchmal habe ich ein schlechtes Gewissen meinem Blog gegenüber … ich habe ihn ins Leben gerufen und kümmere mich irgendwie schlecht drum … wie eine schlechte Mutter, die sich nicht um ihr Kind kümmert. Aber wer sagt, dass eine schlechte Mutter wirklich schlecht ist, vllt. hat sie einen Grund warum sie sich nicht um ihr Kind kümmern kann, aber es eigentlich möchte.

Eigentlich … und auch uneigentlich ist es mein Blog und sich unter Druck zu setzen ist dermaßen kontraproduktiv und einfach ein Fehler. Der Blog ist für mich … es soll Spaß machen, er soll einem selber etwas bringen, sei es um Dinge los zu werden oder sich selber zu reflektieren und vieles mehr, das mache ich alles für mich, da sollte ich nichts erzwingen, sondern es einfach laufen lassen und etwas schreiben wenn mir danach ist. Jeder braucht mal eine Pause … egal von was.