Umzug – Der letzten Beitrag in diesem Blog

Wie der Titel es schon sagt, werde ich umziehen bzw. wird eher mein Blog umziehen. In letzter Zeit ist es hier recht still geworden. Anfänglich lag es an meiner fehlenden Motivation aufgrund privater Ereignisse, die mich auf ihre Weise mitgenommen haben. Als diese Phase sich besserte, war eine gewisse Unzufriedenheit über den Blog da, es hat irgendwie nicht mehr so gepasst aus meiner Sicht. Diese Unzufriedenheit ging schon recht lange und schaukelte sich nach und nach hoch, weil ich bisher nie richtig das Fundament gegossen hatte und es teils ein zu großes WirrWarr war für mich und ich mich selber auch auch weiter entwickelt habe, aber doch bin ich klar gekommen mit meinem Blog und habe in sehr vielen Dingen meine Findungsphase durchlaufen und konnte vielen Zweifeln trotzen, doch nun ist es Zeit für einen Neuanfang.

Ich bedanke mich bei allen Lesern und Followern dieses Blogs, sowie auch für die anregenden Kommentare und Diskussionen, die daraus entstanden sind und würde mich freuen, wenn ihr auch zukünftig meine Leser sein werdet und wir uns auf meinem Blog wiedersehen.

Dies ist der letzte Beitrag in diesem Blog. Ab sofort geht es dann hier weiter: https://lichtbildperle.de/

Fast jeden Tag …

… fast jeden Tag, wenn ich von der Arbeit nach Hause fuhr, sah ich dich, wie du traurig am Fenster des Altenheims sitzt und die Menschen und den Straßenverkehr beobachtest. Auch wenn ich dich nicht kannte, ging es mir nahe und tut es auch immer noch. Anfangs hattest du mich nicht bemerkt, hattest einen leeren Blick gehabt, aber dennoch alles beobachtet. Irgendwann hattest du mitbekommen, dass ich jeden Tag im gleichen Zeitraum bei dir vorbei fuhr. Immer mehr hattest du mich registriert und wahrgenommen, genau wie ich dich. Ab einem gewissen Punkt war ein kleines Lächeln bei dir zu sehen und es freut mich, dass du mein Lächeln erwidert hast. Das Lächeln wurde mehr und irgendwann habe ich dir zugewunken. Deine Antwort – dein Strahlen – trieb mir Tränen in die Augen. Es ist immer wieder schön zu sehen, was kleine Gesten für eine Wirkung haben. Hätte ich es mal eher getan, aber wir mussten uns ja auch erstmal kennen lernen – leider aus der Entfernung. Inzwischen waren wir schon fast eingespielt. Vom Weiten habe ich gesehen, dass du die Straße heruntergeschaut hast, in die Richtung aus der ich komme und ich habe dir schon mal zugewunken, in der Hoffnung, dass du es siehst. Als wir in richtiger Sichtweite waren hast du mir dann meist als erster zugewunken, was mich sehr berührte. Ich bin dann immer so langsam wie möglich gefahren, um dir ganz lange zurück zu winken. Es hat mich sehr traurig gemacht, dass dies meist nur ein Erlebnis von ein oder zwei Minuten war. Für dich wahrscheinlich, dein Tages-Erlebnis. Gerne hätte ich dich mal besucht, aber leider macht Corona einen Strich durch diesen Wunsch. Deine Traurigkeit zu sehen, hat mir eigentlich jedes Mal das Herz gebrochen. Niemand ist gerne alleine. Ich kann es nicht sehen, wenn jemand traurig ist, ich komme damit nicht klar. Auch wenn ich nicht mal deinen Namen kannte, habe ich dir gerne zugelächelt und gewunken, es war das Mindeste was ich tun konnte, um dich aufzumuntern.

Nun habe ich dich seit Wochen nicht gesehen … meine Vermutung ist, dass du von uns gegangen bist. Ich hoffe, dass du nicht leiden musstet, wenn dies der Fall ist. Und wenn nicht, wünsche und hoffe ich, dass du dann auch nicht leiden musst und vielleicht jemand anderen findest, der dir ein Lächeln schenkt.

Mach’s gut liebe alte Dame.

Eingeschlafen

Es ist eine Woche her, da bist du einfach friedlich eingeschlafen. Bist einfach von uns gegangen ohne ein Wort zu sagen. Ich hatte dich gefunden und noch versucht zu wecken, doch es hatte keinen Zweck mehr, du warst schon Stunden zuvor in deinen letzten Tiefschlaf versunken. Dich dort sitzen zu sehen, ein Bild, was nicht mehr aus meinem Kopf geht, es verfolgt mich und erwischt mich kalt in jeder nur möglichen Situation.

Wir hatten unsere Differenzen, doch ich hatte und habe dich immer lieb gehabt. Und irgendwie weiß ich auch, dass du das auch gemacht hast, egal wie du zu mir warst. Du warst halt so wie du warst. Wir hätten es beide aber ruhig mal aussprechen könen, da nehme ich mich nicht aus. In meiner Kindheit haben wir jeden Mist gemacht, jeder Spaß war unser, das ear einfach klasse. Auf dich konnte ich mich verlassen. Nur der Alkohol, den hättest du dir sparen können. Aber du hattest mir nie etwas angetan und ich hatte auch nie Angst deswegen, denn es war für mich damals Normalität, ich kannte es nicht anders.

Kurz vor deinem Tiefschlaf haben wir uns das letzten Mal gesehen. Wir beide hätten netter zueinander sein können. Nun bereue ich es, dass ich es nicht war. Denn nun sind wir auseinander gegangen und waren nicht gut aufeinander zu sprechen, das macht mich wahnsinnig traurig. Aber noch viel trauriger macht es mich, dass du einfach nicht mehr da bist … auch so plötzlich … einfach weg. Ich kann es eigentlich noch gar nicht glauben.

Für dich ist es teils eine Erlösung. Du musstest nicht leiden, nicht ins Heim oder ins Krankenhaus, wo wir dich nicht hätten besuchen können. Ich weiß deine letzten Lebensjahre waren nicht die besten … du warst alleine und unglücklich. Deinem größten Problem, deiner Fast-Blindheit, konntest du trotzen und hast dich nicht unter kriegen lassen, ich habe dich immer bewundert, egal wie oft die Küche wie ein Schlachtfeld aussah. Doch trotzdem hättest du dir noch Zeit lassen können.

Manchmal mache ich mir Vorwürfe, dass ich nicht genug für dich da war oder mich zu wenig um dich gekümmert habe und vieles mehr. Ich werde das Gefühl nicht los dich im Stich gelassen zu haben und nur an mich gedacht zu haben. Auch wenn ich weiß, dass es nicht so ist, bleibt das Gefühl trotzdem da. Verzeih mir bitte.

Lebe wohl und ruhe in Frieden und grüß und drück deine Frau lieb von mir.

Neulich am Müll

Vor einigen Tagen habe ich Müll runter gebracht. Ist jetzt nichts besonderes und macht jeder, sehe ich auch so. Ich wohne in einer Gegend mit Einwohnern, deren Durchschnittsalter mehr als das Doppelte meines Alters beträgt und ich immer wieder fest stelle wieviel unterschiedliche Pflegedienste es gibt. Ich bin also in einer Ü70-Gegend wohnhaft. Es hat gewisse Vorteile, die älteren Herrschaften sind recht ruhig und nur selten man hört man abends ihre Lieblingsschlagersendungen à la Helene Silbereisen oder wie die auch alles heißen. Zum Glück kann ich meinen Fernseher auch lauter machen und muss mir das Gejaule nicht anhören. Es ist aber manchmal auch etwas nervig von so vielen Ü70ern umgeben zu sein. Ich oute mich mal als Vielbesteller bei Amazonien, Buchtelhausen und Co., das Hobby möchte schließlich befriedigt werden und ich sorge regelmäßig dafür, dass was gewünscht auch zeitnah zur Verfügung steht. So bleibt es nicht aus und meine Wohnung macht einem Lagerhaus Konkurrenz und ich könnte meine eigenes kleines Versandunternehmen gründen. Nur was soll ich verschicken? Meine Klecksereien sind nicht mal Ansatzweise so toll wie von meinem Vorbild und meist auch unfertig, teils aus Motivationsmangel, und haben möchte sie eh keiner und meine Fotografien brauchen auch noch Übung und mehr habe ich nicht zu bieten. Also bleibt mir nichts anderes übrig als mich mit meiner kleinen Machete, auch Cuttermesser genannt, durch mein Paket-Disneyschloss zu kämpfen und es in sportliche Einzelteile zu zerlegen, um es dann fachmännisch bzw. fachfrauisch zu entsorgen. Da fällt mir ein, dass ich es auch noch fachdiversisch entsorgen muss, wie konnte ich das nur vergessen. Da ich nicht zu den Menschen gehöre, die ihre Pakete einfach im leeren Rohzustand in die Tonne werfe, sodass diese dann gleich wieder voll ist, komprimiere ich alle Pakete durch Einsatz meiner Machete zum kleinstmöglichen Paket zusammen. Ich denke daran, dass auch noch andere ihren Müll weg bringen wollen. Ich nehme mein kaputtes Disneyschlosspaket aus Pappe und begebe mich durch das nicht wohlriechende Treppenhaus nach unten. Irgendjemand hat Eierkuchen gemacht und über den Hausflur gelüftet und es riecht nach kaltem Fett, da wird mir jetzt schon wieder schlecht wenn ich daran denke. Leider habe ich nicht meine schwere Atemschutzausrüstung dabei um mich dadurch zu kämpfen. Als ich die Pforte des Hauses duchtrat, nahm ich erstnal einen tiefen Atemzug. Es tat gut, auch wenn es nur Stadtluft war, aber besser als die Abluft im Treppenhaus. Bevor ich den Schauplatz des Geschehens betrat, leerte ich noch schnell den Briefkasten. Ich könnte ihn mit Zetteln wie „Keine Werbung, Wochenblätter, etc.“ zukleistern, es würde immer noch etwas dergleichen im Kasten landen. Warum mach ich auch diese Zettel ran, könnte ja auch gut sein, dass ich mir nicht sicher bin und ich vielleicht doch die Werbung bekommen möchte. Ich ärgerte mich nicht weiter und ging zum Müllplatz. Vom weiten hörte ich schön wie zwei Damen gehobenen Alters eine rege Unterhaltung führten. Ich schloss die Tür zum Müllplatz auf und merkte schon wie ich mit meinen zwei Kompaktpaketen von oben bis unten gemustert wurde. Ich geb zu, ich gehe nicht im Sonntagskleid zum Müll runter, wenn ich vorher auf der Couch einen auf Kartoffel gemacht habe. Nein, es prangerte mein Lieblingshörnchen auf meinem Pullover und ich steh dazu. Ich ging zu meiner mir auserwählten Papiertonne, stellte meine beiden Pakete davor hin und öffnete die Tonnen. Zu meinem Erstaunen war sie leer. Ich hiefte den großen Deckel bis ganz nach hinten und versenkte mit einer Gewissen Genugtuung mein erstes Paket. Im Seitenblick sah ich wie sich die eine ältere Dame in meine Richtung bewegte. Ich schaute sie an und sah ihren herablassenden belehrenden Blick. Wenn ich sowas immer schon sehe, ist meine Grundstimmung schon mal etwas ins Negative gerutscht. Unfreundlich blaffte sie mir entgegen, dass ich die Pakete auch auseinander falten kann, damit mehr Papiermüll in die Tonne passt. Ich begegnete ihr mit einem freundlichen Hallo und bat sie bitte den Mindestabstand einzuhalten und sich bitte aus meinen Müllangelegenheiten rauszuhalten, ich mische mich ja auch nicht in ihrem Müll ein. Damit hatte sie anscheinend nicht gerehnet. Ich hatte mit meiner Reaktion auch nicht gerechnet, denn innerlich bin ich explodiert, was geht der Schnepfe meinen Müll an. Soll sie sich um was anderes kümmern und mich einfach in Frieden lassen, so wie ich sie auch in Frieden lasse. Sie schritt von dannen zur ihrer Tratschkumpanin und regte sich lauthals darüber auf, dass die jungen Menschen so respektlos und unfreundlich sind. Ich dachte ich höre nicht richtig und mein Schwein bohnert mal wieder mit einer außergewöhnlichen Kür über das Parkett. Das kann nicht wahr sein. Ich begegne jeden Menschen mit Respekt, egal welchen Alters, Herkunft oder was auch immer. Ich schmetterte mein zweites Paket in die Tonne und wollte mich auf den Heimweg machen und die beiden Damen ignorieren. Doch das klappte nicht. Die andere Dame fragte mich unfreundlich, warum ich meine Pakete nicht zerkleinere und warum ich um Abstand bitte. Ähm ja … Corona ist anscheinend grad nicht. Mir reichte es, eigentlich wollte ich nichts sagen, aber ich hab es satt. Ich hab es satt, ständig werden alle jungen Menschen von älteren Menschen über eine Kamm geschert und als respektlos bezeichnet. Das stimmt überhaupt nicht, sie sollten selber mal mehr Respekt zeigen. Ich weiß es gibt genug jüngere Menschen, die ältere Menschen respektlos behandeln, aber nicht alle, also macht mal einen Punkt! Von mir verlangen sie, dass ich sie respektvoll behandle, das möchte ich dann aber auch und nicht so doof angemacht werden. Nur weil sie alte Leute sind, heißt das noch lange nicht, dass sie einen herablassend behandeln müssen nur weil sie ein bis zwei Weltkriege mehr erlebt haben als ich. Nein das gibt ihnen nicht das Recht dazu mich so behandeln. Ich erkläre recht unfreundlich und angefressen, dass wir Abstand halten, weil wir grad zufällig Corona haben und damit wir alle – insbesondere sie – nicht abkratzen. Als sie den Mund aufmachen wollten, redete ich geich weiter, sodass sie keine Chance hatten, was zu sagen. Ich fuhr meine kleine Rede fort, dass es sie einen feuchten Scheißdreck angeht wie ich meinen Müll weg schmeiße und ich zu denjenigen gehöre, die ihren Papiermüll so klein wie möglich komprimieren und wenn sie das nicht glauben, können sie gerne in die Tonne klettern und nach schauen und dass sie sich mal überlegen sollten zu jüngeren Menschen mal netter zu sein. Auf die Frage, ob sie das Sprichwort „Wie es in den Wald hinein ruft, so schallt es wieder heraus.“. Eine Antwort habe ich bis jetzt immer noch nicht bekommen, aber es interessiert mich auch nicht. Ich war einfach nur noch mega angefressen. Wieder in den eigenen vier Wände machte ich meinem Ärger ordentlich Luft und schimpfte wie ein Rohrspatz oder wie ein Wellensittich auf einer Überdosis Jod S-11.