Viel wegen Nichts

Einfach machen und nicht so viel reden.

Es hat gedauert bis ich zu dieser Erkenntnis kam … und fast hätte ich einen sehr sehr hohen Preis gezahlt. Es ist eine Erkenntnis, die ich nicht so schnell vergessen werde …

Es wird manchmal so viel geredet über eine Sache, dass es eigentlich gar keinen Spaß mehr macht sie zu machen, man kann vieles einfach zerreden und das ist schade, sei es wegen der verschenkten Zeit, die vielen Gedanken, die umsonst gedacht wurden und einfach die Sache selber, die man nicht mehr machen braucht, weil sie zerredet wurde. Es gab meist keinen Grund alles zu zerreden … meist hätte nur ein kleiner Schubs gereicht und ein bisschen Mut und man hätte manches einfach machen können. Habe ich doch hinterher fest getellt, dass das viele Reden darüber gar nicht notwendig war. Es wurde eine einfache Sache nur verkompliziert und das Leben schwer gemacht … sei es meins oder das meiner Mitmenschen … das will ich nicht mehr … für alle!

Kein einfacher Weg

Die Angewohnheit alles wissen zu wollen und immer noch eine letzte Frage stellen zu müssen, ist nicht unbedingt eine der besten Macken, die man haben kann und es macht das Leben schwer … sehr schwer manchmal. Eine gewisse Neugier zu haben ist gut und schön, doch sollte sie auch ihre Grenzen haben. Man muss nicht alles wissen. Manchmal ist es besser die Antwort nicht zu wissen, ist es besser sie nicht gehört zu haben, denn stürzt sie einen doch ins Unglück und Verderben und lässt einen (ver)zweifeln.
Diese letzte Frage … manchmal stellt man sie auch, auch wenn man weiß, dass die Antwort negativ ausfallen wird … es ist aber dann die genaue Gewissheit da und es ist wie eine Art Zwang die letzte Frage, die zu viel ist, zu stellen.

Es ist besser nicht so viele Fragen zu stellen bzw. nicht alles hinterfragen zu müssen, dass habe ich inzwischen fest gestellt.

Vor kurzem hatte ich diese Erkenntnis und ich habe es gemerkt, dass es mir gut tut. In zwei Situationen hatte ich nicht die letzte Frage, die zu viel ist, gestellt, hatte mein Gegenüber nicht mit Fragen gelöchert à la „Warum, wieso, weshalb, und bist du dir wirklich ganz sicher?“. Nein ich hatte eine Antwort nicht mit Fragen zerschossen, sondern einfach akzeptiert. Es hätte nichts gebracht in der Situation etwas zu fragen, sei es für mich oder für mein Gegenüber … und es tat uns beiden gut, dass ich es nicht tat, was mich freute. Liegt mir das Wohlergehen dieses Menschens sehr sehr am Herzen.
In der anderen Situation war es ähnlich … ich las etwas … früher hätte ich das Gelesene einfach nur negativ aufgefasst und wäre in Panik geraten. An dem Tag nicht … ich las es … und sah es einfach positiv und freute mich sehr darüber das Geschriebene … auch mein Gegenüber freute sich … denn es war auch nur positiv gemeint.

Ich freute mich sehr über meine Fortschritte … taten sie mir doch sehr gut und auch meinen Mitmenschen … und vor allem sah ich meinen Fortschritt selber. Es war ein langer harter Weg dahin zu kommen, geprägt von inneren Kämpfen, etc. Aber es war nicht nur für mich ein harter Weg, auch für mein Gegenüber, welches eigentlich schon regelrecht von mir gequält wurde mit Fragen, etc. und immer wieder eine immense Geduld und Ausdauer mit mir aufwies … aber iwann kann man nicht mehr … und da waren wir beide letztens über meinen Fortschritt sehr froh. Ich mag niemanden mehr quälen, das iegt mir fern. Mein Fortschritt tat gut … tat mir gut … tat dir gut … tat uns gut … was mir sehr am Herzen liegt.

Doch es gibt Rückfälle … das hatte ich gleich mit meinem Fortschritt verkündet … man kennt sich ja selber. Nur wenige Tage später war es dann leider so weit … ich hatte gehofft, es würde länger dauern und mein Klack-Moment länger anhalten … tat es nicht und ich stellte die letzte Frage, die zu viel war … vllt. aus Verunsicherung … vllt. auch aus Angst … aber warum auch immer, es war nicht richtig … und die Antwort tat mir nicht gut … sie brachte mich zum Grübeln und vieles mehr. Ich hätte sie nicht hören dürfen. Ich bin traurig über mich und enttäuscht … mein Gegenüber fand meine letzte Frage auch nicht gerade prickelnd … was mich noch trauriger macht … hatten wir uns doch kurz vorher über meinen Fortschritt gefreut. Es liegt noch ein weiterer harter Weg vor mir … diesen gehe ich für mich, weil es mir gut tut und ich weiß, dass es dir und uns auch gut tun wird, deshalb lohnt es sich noch mehr diesen Weg zu gehen, es ist wie eine Bestärkung für mich.

Verzeih mir bitte meine vergangenen letzen Fragen, meinen aktuellen letzten Fragen, die alle zu viel waren und sind.

Wie lange ist es eigentlich her …

dass ich mit dem Lichtbildpropheten auf Knipstour war … viel zu lange meiner Meinung nach … es handelt sich hierbei schon um Jahre. Deshalb war die Freude umso größer als die Zeit es diese Woche erlaubt hat (und das Wetter auch) und wir uns zum Knipsen trafen. Unser Ziel war der jüdische Friedhof in Weißensee.
Vor einiger Zeit waren wir schon mal da, es sollte eigentlich auch eine Knipstour werden, ist dann aber ein schöner Spaziergang geworden. Auch hier hatte es mehrere Anläufe gebraucht endlich zum Friedhof zu gehen.
Zu dem Zeitpunkt damals war ich glaub ich nich nie auf einem jüdischen Friedhof.
Ich hatte keine Ahnung was mich erwartet, ich kannte ihn nur von Fotos und Erzählungen vom Lichtbildprohpheten. Ich war sehr  aufgeregt und gespannt und voller Erwartungen. Ich hatte bis dato seit neun Jahren jegliche Art von Friedhöfen erfolgreich gemieden und  dementsprechend war eine gewisse Anspannung da. Und ich ging mit dem Vorsatz rauf, ein paar Fotos machen zu wollen … vergaß aber meine relativ stark ausgeprägten Gefühle, die mich dann doch total übermannt hatten und mir einen Strich durch meine Rechnung machten.
Wir betraten damals den Friedhof und gingen zu den ersten Gräbern … und es war … unbeschreiblich schön … ich konnte es damals nicht und kann es heute auch nicht wirklich in Worte fassen … man muss es einfach gesehen haben … es ist wie eine andere Welt und überhaupt kein Vergleich zu den deutschen Friedhöfen. Der jüdische Friedhof ist so beeindruckend … überwältigend … faszinierend … auch magisch und mystisch würde ich sagen … um es kurz zusammenzufassen … mich hats schier umgehauen … und eigentlich total aus der Bahn geworfen … als wir die Wege langsam lang liefen, wurde mein Kloß im Hals im größer und es machte sich ein beklemmender Druck in der Magengegend bemerkbar und es war sehr zwiegespalten … auf der einen Seite war ich so überwältigt von der Schönheit dieses Ortes und auf der anderen Seite übermannte mich ein Schwall von Trauer … und alles paar Minuten trieb es mir die Tränen in die Augen … aus Trauer und wegen der überwältigenden Schönheit. Ich war damals sogar mehrere Male kurz davor den Friedhof zu verlassen (tat es aber nicht), weil es an Gefühlen zu viel war … mich haben sie mehr als nur übermannt … ich konnte damals keine einziges Foto machen und ich bin auch überhaupt nicht traurig darüber. Es war richtig und musste so sein. Ich musste diesen schönen Ort einfach so kennen lernen und das versuchen zu erfassen und es war schön diese Ruhe dort zu genießen und in einer anderen Welt zu sein.

Diese Woche war es endlich soweit und wir gingen wieder zum jüdischen Friedhof. Dieses Mal hatte ich mich mental schon die paar Tage vorher drauf vorbereitet. Mit zwei Kameras im Schlepptau ging es los. Das Wetter war ganz gut, etwas mehr Sonne wäre schön gewesen, aber man kann nicht alles haben. Ich tat meinen ersten Schritt auf den Friedhof und es ging mir gefühlsmäßig gut, ich wusste was mich erwartet und ich glaube ich war schon im Knipsmodus, weshalb insgesamt die Gefühle nur kurz aufflackerten und das Knipsen ganz gut ging. Aber es war wieder genauso überwältigend schön wie beim ersten Besuch und es war ein toller Tag. Es gibt so viel was man dort fotografisch einfangen kann und es noch zu entdecken gibt. Es wird noch sehr viele Besuchen geben denke ich. Danke an den Lichtbildproheten, dass er mir diesen wunderbaren Ort gezeigt hat.